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Der Herr der Bäckerbücher

Jürgen Bräuninger ist nicht nur erfolgreicher Unternehmer, er hat auch eine der größten Bibliotheken rund um die Branche: eine ansehnliche und informative Sammlung im Besprechungsraum. (Quelle: Wolf)+
Jürgen Bräuninger ist nicht nur erfolgreicher Unternehmer, er hat auch eine der größten Bibliotheken rund um die Branche: eine ansehnliche und informative Sammlung im Besprechungsraum. (Quelle: Wolf)

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Vor 15 Jahren hat Jürgen Bräuninger angefangen, Bäckerei- und Konditoreibücher zu sammeln / Rund 3000 Exemplare zieren nun den Firmensitz

Von Reinald Wolf

Er ist , , erfolgreicher Unternehmer – und passionierter Sammler und Jäger. Historische Geräte, Maschinen, Dokumente und vor allem rund um die Bäckerei haben es angetan.

Mit raumgreifenden Folgen. Seine Bäckerkutschen, Knet- und Rührmaschinen, zahlreichen Kassen aus verschiedenen Jahrzehnten und immerhin 24 Bäckerfahrräder hat er in zwei Hallen untergebracht.

Die Büchersammlung befindet sich allerdings am Firmensitz der Brothaus GmbH in bei Ansbach.

Es ist eine stattliche Bibliothek rund um Bäckerei und Konditorei: Um die 3000 Bücher hat Bräuninger in den vergangenen 15 Jahren zusammengetragen und dafür einiges an Zeit und Geld investiert. Hinzukommen „Arbeitszeugnisse ohne Ende“, wie sich Bräuninger ausdrückt.

Sammler Bräuninger:

„Ich war ein Ebay-Junky“

„Die ersten drei bis vier Jahre habe ich das sehr exzessiv betrieben. Kurz: Ich war ein Ebay-Junky“, blickt der 47-Jährige auf die Hochphase seiner Sammelleidenschaft zurück. Den Wert seiner schätzt er auf einen sechstelligen Eurobetrag. Für manche Exemplare musste er dreistellige Eurobeträge hinblättern. Bücher aus dem 16. und 17. Jahrhundert sind darunter, aber auch aktuelle fachliche Schmuckstücke finden den Weg nach Burgbernheim.

Allerdings hat er seine Sammelleidenschaft im Moment „im Griff“. „Ich hatte etwas den Überblick verloren und einige Exemplare doppelt gekauft. Nun bin ich mit einem Programm dran, die Sammlung zu katalogisieren.“

Ein weiterer Grund dafür, dass Bräuninger in Sachen Büchersammlung mit angezogener Handbremse unterwegs ist, dürfte sein, dass das Brothaus auf der Überholspur fährt. Ein Unternehmen, das vor fünf Jahren aus der Fusion mit der Bäckerei von Marcus Fischer, seinem heutigen Geschäftspartner, hervorgegangen ist und von Burgbernheim aus 61 Fachgeschäfte beliefert.

Vor allem im Verwaltungstrakt des gemeinsam errichteten Produktionsstandortes gibt es zusätzlichen Raumbedarf. Deshalb ist die Bibliothek vor Kurzem zum Besprechungsraum umgebaut worden – mit integrierter Büchersammlung, die hinter Glas geschützt ist. So ist die „Besprechungsbibliothek“ nun eine Synthese aus Bräuningers historisch orientiertem Hobby und den zukunftsgerichteten unternehmerischen Plänen des Geschäftsführerduos der Brothaus GmbH in Mittelfranken.

Geschäftspartner unterstützt

die Sammelleidenschaft

„Marcus Fischer findet es gut, dass ich meiner Sammelleidenschaft in dieser Form nachgehe. Er unterstützt mich dabei und hat schon manches gute Stück aus dem Traditionsunternehmen seiner Familie dazu beigetragen“, betont Jürgen Bräuninger.

Nicht alle der guten Stücke befinden sich im neuen Besprechungsraum. Weitere 200 Bücher bewahrt Bräuninger daheim auf, um sich auch dort mit der bibliophilen Seite seiner Branche zu umgeben. Und die ganz edlen Stücke sind in einem Tresor verwahrt: Ein Zunft- und Handwerkerbuch aus dem Jahr 1569 – und ein versteinertes Stück Brot aus dem Jahr 3000 vor Christus.

Es war ein Geschenk des kürzlich gestorbenen Bäckermeisters und Wissenschaftlers Dr. Hans Huber, der wie Bräuninger aus Neustadt/Aisch stammt „und mich als Freak in Sachen Sammlung kannte“, so Bräuninger. „Ich bekam Gänsehaut, als ich das über 5000 Jahre alte Brot zum ersten Mal in der Hand hielt.“

Vor allem Peter Augendopler hat Bräuninger nachhaltig inspriert und animiert. Auch der Backaldrin-Chef kultiviert eine große Sammlung von Büchern und Gegenständen rund ums Bäckerhandwerk. Mit ihm war Bräuninger im regen Austausch.

„Seine Geschichte von der Rettung des ältesten Bäckerbuchs der Welt (1520) hat mich gerührt und inspiriert.“ Durch Augendoplers Anfrage bei einem Sammler in New York wurde das Buch einen Tag von dem Angriff auf die Twin Towers aus dem Laden genommen, der danach zerstört war.

„Action aus Bäckerei

und Konditorei“

Ein Ereignis, das mit der Entstehung seines eigenen Werks nicht im Zusammenhang steht. Jürgen Bräuninger hat 2003 ein Buch für den Matthaes-Verlag geschrieben: In „Action aus der Bäcker und Konditorei“ zeigt er, wie man mit großen Backwerken für Publicity sorgt und - dass er nicht nur in die Vergangenheit schaut, sondern schon damals seiner Zeit voraus war.

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