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Der betende Bäckermeister

Das Klosterbrot erhält einen Stempel. Die Backwaren werden unter anderem im Klosterladen verkauft und an christliche Einrichtungen geliefert. (Quelle: Stumpf)+
Das Klosterbrot erhält einen Stempel. Die Backwaren werden unter anderem im Klosterladen verkauft und an christliche Einrichtungen geliefert. (Quelle: Stumpf)

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Frater Bonifatius Holzmann leitet Klosterbetriebe in Plankstetten / Getreide von eigenen Feldern / Backwaren für Einrichtungen und Bio-Märkte

Von Hans Stumpf

Für den eigenen Bedarf backen und das Getreide dafür selber anbauen. Diese Idee stammt anders als vermutet nicht aus der heutigen Zeit. „Hier wurde schon immer gebacken“, sagt Frater Bonifatius Holzmann. Aber was heißt „schon immer“? Es heißt: seit vielen Jahrhunderten. Die Ursprünge des Klosters Plankstetten in der Oberpfalz gehen auf das Jahr 1129 zurück.

Frater Bonifatius ist Bäckermeister. Seine Lehre hat er in der der Benediktinerabtei Münsterschwarzach absolviert. Dabei reifte in ihm der Entschluss, ins einzutreten und „Gott suchen auf den Spuren des Heiligen Benedikts“. Über den Beruf kam die Berufung zu Gott und dem klösterlichen Leben.

„Mir ist damals Münsterschwarzach sehr groß vorgekommen, deshalb bin ich in das Kloster Weltenburg eingetreten“, blickt Frater Bonifatius zurück. Nach dem Noviziat wechselt er in das Kloster Plankstetten. Dort verpflichtet er sich auf ewig dem Orden und dem Kloster Plankstetten.

Jede Antwort ist gut überlegt

Die „Stabilitas loci“, also das Bleiben an einem Ort, ist einer der wesentlichen Unterschiede zu anderen Ordensgemeinschaften. Während Frater Bonifatius erzählt, sitzt er in einem der Besprechungszimmer des Klosters: aufgeräumt, schlicht eingerichtet, ein großes Ölbild eines Abtes an der Wand. Als Frater wird er bezeichnet, da er eine handwerkliche Tätigkeit ausübt. Pater sind Brüder mit theologischem Studium und Priesterweihe.

Nach jeder Frage wird es erst einmal still im Raum. Sehr überlegt, aber auch aus dem Herzen kommen Frater Bonifatius‘ Antworten. Er spricht von der Faszination des Lebens im Kloster, über den Weg der Glaubenssuche und über das Leben mit und für Gott.

Ein Kloster hat seit jeher immer auch die Aufgabe, nach außen zu wirken. In der Benediktinerabtei sind keine lebensfremden Männer anzutreffen, die sich von der Welt abschotten. Das Gegenteil ist der Fall. Sie wollen durch ihr Leben den Geist Christi nach draußen in die Welt tragen. 13.000 Übernachtungen von Gästen zählt jährlich das Gästehaus des Klosters. Mehr als 10.000 Tagesgäste im Jahr, die Kloster und Klosterschenke besuchen, haben die Chance, Gott – vielleicht auch auf ungewöhnlichen Wegen – nahe zu kommen.

Diese „ungewöhnlichen“ Wege finden sich unter anderem in den Klosterbetrieben. Frater Bonifatius ist zusammen mit seinem Mitbruder Frater Andreas Geschäftsführer der Klosterbetriebe. Er leitet somit nicht nur die Bäckerei mit neun Mitarbeitern und einem Lehrling, sondern neun Klosterbetriebe von der Klostermetzgerei bis hin zum Gästehaus. Insgesamt sind es rund 70 Mitarbeiter, die hier beschäftigt sind. Im Kloster selber sind es nur noch 15 Mönche. „Bei meinem Eintritt waren wir mal 35. Wenigstens bin ich nicht mehr der jüngste“, scherzt Frater Bonifatius.

Die Klosterbetriebe haben zum einen die Aufgabe, das Klosterleben zu finanzieren. „Benediktinerklöster sind schon immer eigenständig und versorgen sich selbst“, blickt er auf die Geschichte zurück. 1129 wurde Plankstetten gegründet. In der Säkularisation aufgelöst, zogen 1904 wieder Benediktinermönche dort ein.

Fast 900 Jahre zeigen, dass hier in anderen zeitlichen Dimensionen gedacht wird. Dennoch gibt es Veränderungen. So werden Landwirtschaft und Gärtnerei – auch die gehört schon immer zum Kloster – seit 20 Jahren nach biologischen Richtlinien von Bioland geführt. „Damit in allen Gott verherrlicht werde“, zitiert Frater Bonifatius aus den Benedikt-Regeln. Gerade eine christliche Gemeinschaft sollte hier Vorbild sein, und so setzt man das über Jahrhunderte gelebte Kreislaufkonzept der Klosterbetriebe wieder verstärkt in den Mittelpunkt.

Die Backstubenarbeit geht vor

In der Klosterbäckerei wird heute das Getreide verarbeitet, das auf eigenen Feldern wächst. Vollkornmehle werden selber, Auszugsgetreide wird von einer regionalen Mühle gemahlen und in Silos angeliefert. „75 Prozent unserer Produktion geht nach draußen in die Region“, erklärt Frater Bonifatius.

Vor Mitternacht steht der Ordensbruder jede Nacht in der modern eingerichteten Backstube und beginnt mit der Teigbereitung. „Herausforderung ist, mit den oft sehr schwankenden Getreidequalitäten zurecht zu kommen“, erklärt Frater Bonifatius, der 1997 in Straubing die Meisterprüfung abgelegt hat. Schon vorher hat er damals von einem älteren Mitbruder die Leitung der Klosterbäckerei übernommen.

Der traditionelle Sauerteig ist nie aus der Bäckerei verschwunden. Es werden unterschiedliche Führungen gemacht. Das Klosterbrot, ein Roggenmischbrot, wird mit einem dreistufigen Sauerteig hergestellt. Bei anderen Broten wie etwa Mehrkornbrot wird mit Grundsauer gearbeitet. Um 6 Uhr muss nahezu alles fertig sein, damit die beiden Lieferfahrzeuge los fahren können. Christliche Einrichtungen zählen genauso zu den Lieferkunden wie Biomärkte in der Region bis nach Nürnberg hinein.

Frater Bonifatius sieht nicht so aus, als dass er sich langweilt. Bleibt bei all der Arbeit Zeit für das Klosterleben? „Zur Virgil und zur Laudes kann ich nicht“, gibt Frater Bonifatius spontan zu. Da steht er in der Backstube. Um 5 Uhr früh ist werktags die erste Gebetszeit der Mönche. Aber es müsse schon was passieren, dass er um sieben den Gottesdienst versäumt. Weitere Gebetszeiten sind mittags, am frühen Abend und abends. Dazwischen gibt es für den Bäckermeister genug zu tun. „Ora et labora“ – „bete und arbeite“: Für Frater Bonifatius scheint Backen und Beten eine Selbstverständlichkeit.


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