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Das Ziel immer im Blick

Sebastian Jung weiß genau, was er will. Nach seiner Bäckerlehre konzentriert er sich jetzt voll auf den Fußball.+Zur Fotostrecke
Sebastian Jung weiß genau, was er will. Nach seiner Bäckerlehre konzentriert er sich jetzt voll auf den Fußball.

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Neben seiner Ausbildung zum Profifußballer hat Sebastian Jung eine Bäckerlehre gemacht und keine Minute gefehlt.

Der Junge ist richtig gut, selbst unter Druck hat er immer eine gute Lösung parat. Außerdem hat er in dieser Saison noch keine Minute gefehlt.“ Bäcker mit derartigen Qualitäten sind gefragt. Und ein Betriebsinhaber wäre schlecht beraten, solche Leute einfach ziehen zu lassen. Das Problem: Solche Leute sind begehrt und haben gute Chancen, auch andernorts unterzukommen. So auch im Fall von Sebastian Jung.

„Der Sebi war mein bisher bester Lehrling“, berichtet Emil Hees mit Stolz, aber auch mit Bedauern. Über 30 Bäckerlehrlinge hat der Inhaber einer namhaften Bäckerei in Königstein ausgebildet. Einige konnte er auch übernehmen. Aber Sebastian Jung musste er ziehen lassen – ablösefrei sollte man vielleicht ergänzen. Denn „Sebi“, wie er von Freunden und Fans genannt wird, ist nicht nur ein guter Bäcker, sondern auch ein guter Kicker: Zuverlässig, solide, fair und immer brandgefährlich in der Vorwärtsbewegung – wenn es der Spielverlauf erlaubt.

Seit der E-Jugend ist Sebastian Jung bei Eintracht Frankfurt aktiv. Nach der Bäckerlehre hat er in Frankfurt einen Profivertrag unterschrieben. Heute ist der 21-jährige als rechter Verteidiger im der Eintracht gesetzt und sein ehemaliger Lehrmeister müsste rund 3,5 Mio. Euro Ablösesumme zahlen, um ihn wieder ins Backstubenteam zu bekommen. Theoretisch jedenfalls, denn es handelt sich um seinen momentanen Marktwert in Bezug auf einen Vereinswechsel.

Allerdings wäre Hees nicht der einzige Interessent. Denn auch Bayern München und Co. sind schon mit den Qualitäten von Jung konfrontiert worden und hätten das nötige Kleingeld, um ihn engagieren zu können. Doch Jung hat in Frankfurt einen Vertrag bis zum Jahr 2014 und ein klares Ziel im Blick: Den Wiederaufstieg in die 1. Fußball-Bundesliga! Momentan sieht es jedenfalls gut aus: Die Eintracht steht hinter Greuther Fürth auf Platz zwei. Maßgeblichen Anteil daran hat auch Sebastian Jung, den die Moderatoren wie im Spiel gegen Düsseldorf (siehe Anfang) regelmäßig loben. Auch wenn es in dieser Partie nur zu einem unglücklichen 1:1 gereicht hat – Jung glänzte einmal mehr mit solider Abwehrarbeit und gefährlichen Akzenten nach vorne.

Fester Händedruck, direkter Augenkontakt beim Ortstermin an alter Wirkungsstätte: Nicht nur auf dem Fußballplatz, auch im richtigen Leben agiert der Mann mit offenem Visier und sorgt schnell für klare Verhältnisse – und er ist die personifizierte Zuverlässigkeit.

Lehre mit Bravour gemeistertZweieinhalb Jahre hat auch die Bäckerei Hees von diesen positiven Eigenschaften ihres ehemaligen Lehrlings profitiert. Wohlgemerkt neben dem Training unter nahezu Profibedingungen, neben Spielen bei den A-Junioren und der zweiten Mannschaft sowie den Spielen bei der Juniorennationalmannschaft. Auch in der Bäckerlehre hat Jung keine Minute gefehlt. Einziges Zugeständnis an seine Fußballkarriere: Er durfte bei Bedarf vor- oder nacharbeiten. Überhaupt, Meister Hees „war streng aber fair“, wie Sebastian Jung betont, für den eine profimäßige Einstellung zum Job gehört – „sowohl in der Bäckerei, als auch auf dem Fußballplatz“.

Und wie hat er die Doppelbelastung gemeistert? „Ich habe immer mein Ziel im Blick. So war für mich nach einem Berufspraktikum klar, dass ich eine Bäckerlehre machen will.“ Das Ergebnis: Die Gesellprüfung hat er mit einer zwei in Theorie und Praxis gemacht. Maßgebliche Erfolgsfaktoren: Interesse, Zuverlässigkeit, Disziplin, Geschick, Einsatz und Spaß bei der Arbeit! Nach dem Motto: „Immer volle Pulle“ hat Jung auch in der Backstube von Anfang an Gas gegeben und „war auch immer guter Laune“, wie Emil Hees betont. Weitere Stärken in der Bäckerei: Das Herstellen und Ausgarnieren von Torten, das Ausrollen und Schlingen von Brezeln. „Es hat richtig Spaß gemacht, zumal wir auch ein gutes Team waren“, so das Fazit von Sebastian Jung, der seinen Lehrmeister und seine ehemaligen Teamkollegen noch regelmäßig in der Backstube besucht. Ein gern gesehener Gast, nicht nur weil er was vom Fach versteht, auch mal mit Hand anlegt oder ein Fußballstar ist – Sebi Jung ist ein absolut sympathischer und bescheidener Zeitgenosse.

Fanblock aus der BackstubeEin Sympathieträger der Bäckerei. Kein Wunder, dass seine Exkollegen und Meister Hees auch große Sebi-Fans sind. So rückten sie vor zwei Jahren zum Heimspiel der Eintracht gegen Bayern München mit einem originellen Plakat an: „Sebi back die Bayern weg“ war praktisch die Aufforderung an ihren Exkollegen, mit den Stärken in der Backstube auch auf dem Rasen zu punkten. Das hat dann auch geklappt, denn Sebi und die Eintrachtkollegen haben den Bayern kräftig eingeheizt und 2:1 gewonnen. Sein erstes Tor in der 1. Fußballbundesliga hat Sebastian Jung übrigens beim 3:2-Sieg gegen Dormund geschossen. Heute blickt er auf rund 80 Profispiele zurück. 54 allein in der ersten Bundesliga. Das sollten bald mehr werden – wenn Jung und das Eintrachtteam den gebacken bekommen. Eine schwierige, aber lösbare Aufgabe. Parallel dazu hat er auch die Fußball-EM im Visier. Allerdings mit der U21-Nationalmannschaft. Und die A-Nationalmannschaft? „Davon träumt jeder Fußballer“, antwortet Jung mit versonnenem Blick.

Kleiner Tipp an Bundestrainer Löw: Es gibt da einen Bäcker mit Biss, Power und Qualitäten für die rechte Abwehrseite – und Unterstützung aus der Backstube.

 

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