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Das biblische Gebäck besteht aus zwei Zutaten

Hostien bestehen lediglich
 aus Weizenmehl und Wasser: 
Das katholische Kirchenrecht
 schreibt das vor. (Quelle: Yavuz Arslan/NRW-Bank/Goldlücke (1))+Zur Fotostrecke
Hostien bestehen lediglich aus Weizenmehl und Wasser: Das katholische Kirchenrecht schreibt das vor. (Quelle: Yavuz Arslan/NRW-Bank/Goldlücke (1))

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Thomas Held hat zunächst Theologie studiert und betreibt jetzt eine gläserne Hostienbäckerei im nordrhein-westfälischen Kevelaer

Von Regina Goldlücke

Und, woran erinnert Euch der Geschmack?“ fragt und schaut auf die konzentriert kauende Kinderschar, die ihn umringt.

Es kommen mehrere Antworten: Wie weißes Toastbrot! Wie Esspapier! Wie „leicht und kross“! Er nickt und sagt: „Ich denke dabei immer an ein Eishörnchen ohne Zucker.“ Die Kinder knuspern an Hostien. Gerade haben sie bei einer Führung gelernt, in welchen Schritten sie entstehen.

Bundesweit gibt es

40 Hostienbäckereien

Thomas Held ist seit neun Jahren der Herr der „Gläsernen Hostienbäckerei St. Johannis“ im Wallfahrtsort Kevelaer. Bundesweit gibt es 40 solcher Betriebe, 35 in Klöstern, fünf im Familienbesitz.

Die am Niederrhein wird vorwiegend von Erstkommunion-Gruppen besucht. Vor jedem Rundgang erklärt Thomas Held die Historie des Gebäcks aus nur zwei Zutaten: reines Weizenmehl und Wasser. So ist es im katholischen Kirchenrecht vorgeschrieben.

Der Ursprung der Hostie – als Umwandlung von Leib und Blut Christi – ist in der biblischen Geschichte verankert und bezieht sich auf das letzte Abendmahl von Jesus mit seinen Jüngern.

Produziert werden

zwei unterschiedliche Sorten

An den Backtagen werden jeweils 3000 Hostienplatten produziert. Zunächst füllt Thomas Held 30 Liter Wasser aus dem Hahn in einen Bottich und gibt 24 Kilo Weizenmehl dazu.

Ein Schaufelrad aus Edelstahl, verbunden mit einem starken Motor, mischt die Zutaten fünf Minuten lang gleichmäßig durch. Dabei wirft der Teig Blasen. Mit Saugschlauch und Kolbenpumpe wird er abgezogen und auf heiße Backeisen gespritzt.

Zwei unterschiedliche Sorten von Hostien werden bei Temperaturen von 140 bis 180°C hergestellt: die 1,2 Millimeter dicken weißen Hostien und die 2 Millimeter dicken Brothostien, die durch die karamellisierte Fructose beim Backen eine dunklere Farbe bekommen. Sind sie fertig, öffnen sich die Backeisen automatisch. Löcher ausstanzen könnte man aus den Platten noch nicht.

Für 18 Stunden

in den Feuchtraum

Danach kommen sie für 18 Stunden in den Feuchtraum, um Elastizität und Biegsamkeit zu erlangen. Erst jetzt folgt der Vorgang des Ausstanzens der Hostien.

Thomas Held setzt den Bohrer an, der mehrere Platten auf einmal durchdringt. Die runden Plättchen fallen in Körbe und werden später von Hand sortiert. Nur die makellosen verschickt die Bäckerei an ihre Kunden, die Kirchen. Sind die Ränder zerfranst, werden die fehlerhaften Hostien in Beutel verpackt und als „Knabbertüte“ im hauseigenen Shop verkauft.

Etwa 95 Prozent der Hostien-Produktion bleibt in Deutschland. Nicht alle sind gleich groß. Thomas Held zeigt den Kindern verschiedene Formate.

12 Standardgrößen hat er im Sortiment. Die etwas größeren verwenden Pfarrer am Altar, damit die Hostie auch von weit hinten gesehen werden kann.

Das allergrößte Exemplar hat einen Durchmesser von 22,8 Zentimetern. „Das ist die Papst-Hostie“, sagt der Bäcker andächtig. Er ist tiefgläubig, selbst auf den Backmaschinen stehen Kruzifixe. Die Kinder entlässt er mit den Worten: „Dann wünsche ich Euch ein spannendes Leben mit Gott.“

Station als Hostienbäcker

im Benediktinerkloster

Thomas Held hat Theologie studiert, dann aber gespürt, dass dies nicht sein Weg war. Vier Jahre lebte er in einer Gemeinschaft in Frankreich, züchtete Ziegen und verkaufte Käse auf dem Markt.

Zurück in Deutschland, machte er eine Tischlerlehre, zog dann mit seiner Frau ins Kloster Vinnenberg im Münsterland. Dort betrieben Benediktinerinnen eine Hostienbäckerei, die Held später übernahm.

Nach Schließung des Klosters bekam er das Angebot, in Kevelaer weiterzuarbeiten. Vom dortigen Strom von jährlich bis zu 800.000 Pilgern falle für die Bäckerei-Besichtigung nicht allzu viel ab, bedauert er.

Deshalb konzentrierte er sich auf die Kommunionkinder und führt pro Jahr etwa 12.000 Besucher in die Geheimnisse der Hostienbäckerei ein.

 

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