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Container-Backstube in Indien installiert

Eine komplette Backstube für Indien: Der Back-Container ist innen mit allem Nötigen ausgestattet.+Zur Fotostrecke
Eine komplette Backstube für Indien: Der Back-Container ist innen mit allem Nötigen ausgestattet.

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Bäckerei Richard Nußbaumer unterstützt Schul- und Ausbildungsprojekt Mitraniketan

„Es war eine Katastrophe“, berichtet Bäckermeister Jürgen Musler von einem ungewöhnlichen ersten Backversuch. „Das Wasser und das Mehl waren einfach zu warm.“ Kein Wunder, dass er mit seinem Gebäck nicht zufrieden war: Der 38-jährige Bäckermeister aus der Bäckerei Richard Nußbaumer in Reichenbach bei Karlsruhe arbeitete nämlich ausnahmsweise nicht in der heimischen Backstube, sondern in einer Container-Backstube im Entwicklungsprojekts „Mitraniketan“.

Das Projekt wurde 1956 im südindischen Bundesstaat Kerala gegründet und bietet seither den ärmsten Kindern der Umgebung eine Möglichkeit, unterrichtet und ausgebildet zu werden. In Mitraniketan gibt es eine Schule für 280 Internat-Schülerinnen und Schüler, 40 Kindergartenplätze, 40 Schulplätze für Straßenkinder und Ausbildungsplätze für 80 junge Erwachsene in verschiedenen Handwerksberufen. Eine kleine Backstube, die zum Projekt gehört hatte, war inzwischen völlig verfallen. Eine Bäckerei jedoch wäre im Projekt dreifach nützlich: Sie böte Ausbildungsplätze, trüge zur Versorgung der Kinder und Mitarbeiter bei und sichere durch den Verkauf von Backwaren kleine Einnahmen.

Das sah auch der Reichenbacher Arzt Hans Waldmann so, der sich schon lange in Mitraniketan engagiert. Er sprach Richard Nußbaumer, seinen Bäckermeister vor Ort, an, und die beiden entwickelten die Idee, einen ausgestatteten Back-Container als Hilfe zu zur Selbsthilfe auf den Weg nach Indien zu bringen. Finanziert werden sollte er durch Spenden und spezielle Verkaufsaktionen der Bäckerei Nußbaumer, das technische und handwerkliche Wissen würde ebenfalls aus Richard Nußbaumers Team kommen. „Als ich zum ersten Mal davon hörte, war ich ziemlich skeptisch“, räumt Richard Nußbaumer im Nachhinein ein. „Aber dann hat es mich doch nicht mehr losgelassen und ich hab gesagt, ‚ja, wir machen das‘.“

Er brachte Hans Waldmann mit Evelyn Richter, einer Expertin für Bäckereiausstattung und mit Entwicklungshilfe-Erfahrung in Kontakt. Ein gebrauchter Container wurde gekauft und schließlich auf dem Parkplatz vor der Bäckerei Nußbaumer aufgestellt. Dort verwandelte er sich über Wochen vor den Augen der interessierten Kundschaft unter der Leitung von Jürgen Musler in eine Container-Bäckerei: Mit Antirostfarbe wurde er innen weiß und außen leuchtend gelb gestrichen, Kühlzelle, Kochfeld, Teigmaschine, Rührmaschine, Laugegerät, Kochfeld, Ventilator, Gärschrank, Teigteilmaschine und Arbeitstisch aus Edelstahl mit Holzplatte wurden eingebaut. „Er ist mir richtig ans Herz gewachsen“, sagt Richard Nußbaumer über die Entwicklung des Containers.

Komplett eingerichtet

Unterstützt von der Firma Sweba Dahlen konnte ein nagelneuer Backofen für dreimal zwei Bleche installiert werden. Richard Nußbaumer ließ alles so vorbereiten, dass in Mitraniketan nur noch die Wasser- und Stromanschlüsse gelegt werden müssten.

Bis dahin allerdings wurde die Geduld der Reichenbacher Bäckermeister reichlich auf die Probe gestellt. „Verschifft haben wir den Container im letzten Sommer“, berichtet Richard Nußbaumer. „Im September traf er in seinem indischen Bestimmungshafen Cochin ein.“ Drei Wochen später kam Jürgen Musler mit Kollegen an, um die weit gereiste Backstube in Betrieb zu nehmen. Aber der indische Zoll ließ sich so viel Zeit, dass das deutsche Team trotz intensiven und nahezu täglichen Verhandlungen im Hafen nahezu unverrichteter Dinge wieder abreisen musste.

Wochen später brachen Jürgen Musler, Hans Waldmann, ein Techniker und ein weiterer Betreuer ein zweites Mal auf und fanden die Backstube inmitten von tropischem Grün, liebevoll und sorgfältig überdacht mit ortsüblichem Wellblech und versehen mit einem gemauerten, luftdurchlässigen Vorbau. So konnte der Bäckermeister zusammen mit dem Techniker den Ofen schließlich anschmeißen, Rohstoffe organisieren, Korn mahlen lassen und backen. Nach einigen Probeblechen war ihm klar, dass er für eine gute Teigführung Wasser kühlen und die langsamere indische Hefe anders einsetzen musste. Er arbeitete Rezepte um und schließlich produzierte er ausgezeichnete Baguettes, Vollkornbrote, Brötchen und Brezeln.

Damit die Hilfe wirklich zur Selbsthilfe werden kann, arbeitete Jürgen Musler zwei indische Backhelfer ein. Sie können bequem im Back-Container arbeiten.

Zum Jahresende wollen die Reichenbacher wieder vor Ort gehen und schauen, ob die Kollegen im Back-Container noch alles gebacken bekommen.

Spendenkonto: Container-Bäckerei für Südindien“, Richard Nußbaumer, Konto: 1290477, Sparkasse Ettlingen, BLZ 66051220

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