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Bühne frei für Kruste und Krume

Ganztägig großer Andrang: Das Brotfestival 2018 im Wiener Kursaal Hübner. (Quelle: Lorenz)+Zur Fotostrecke
Ganztägig großer Andrang: Das Brotfestival 2018 im Wiener Kursaal Hübner. (Quelle: Lorenz)

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Spitzenbäcker aus Österreich laden zu einem Brotfestival ein – und tausende Besucher kommen

Von Reinald Wolf

Für Brot anstehen und auch noch Eintrittgeld dafür bezahlen. Unvorstellbar möchte man anmerken. Österreicher sind da entschieden anderer Meinung – zumindest im Zusammenhang mit dem &Krume, das vor kurzem in Wien seine dritte Auflage erlebt hat.

5000 Brotliebhaber

zahlen Eintrittsgeld

35 namhafte Bäcker aus , dem Piemont und der Slowakei mussten im ehrwürdigen Kursaal Hübner einen Ansturm von fast 5000 Besuchern meistern – die bereit waren, 10 Euro im Online-Vorverkauf und 15 Euro an der Tageskasse zu zahlen, um zu probieren, sich zu informieren und in hochwertige Backwaren zu investieren. Und vermutlich wäre die Besucherzahl deutlich größer ausgefallen – wäre die Zahl der Tickets nicht limitiert gewesen.

„Es gibt kein Lebensmittel, das

so im ist wie gutes Brot“

„2017 hatten wir 8500 Besucher“, sagt Barbara van Melle, die die eintägige Veranstaltung 2016 ins Leben gerufen hat, „um den Menschen gutes Brot näher zu bringen und dem Bäckerhandwerk eine Bühne zu bieten“, wie die ehemalige TV-Moderatorin betont. Dafür sei sie gerne ins finanzielle Risiko gegangen.

„Nach zwei Jahren des Zitterns waren wir gezwungen, eine Eintrittsgebühr zu verlangen“, sagt van Melle. Mit einem derartig überwältigenden Zuspruch hätte sie nicht unbedingt gerechnet. Aber der Erfolg von Kruste&Krume bestätige ihre Einschätzung: „Es gibt zur Zeit keine Lebensmittel, das so im Trend ist wie gutes Brot.“

Spätestens mit der Recherche zu ihrem Buch „Der Duft von gutem Brot – Österreichs beste Bäcker verraten ihre Rezepte“ ist van Melle buchstäblich auf den Geschmack gekommen. „Das hat mich praktisch animiert, die Veranstaltung zu organisieren.“ Im Buch porträtiert sie zwölf Bäcker. Und anschließend lassen sie die Fragen nicht los, warum es das sogenannte Bäckersterben gibt und was Bäcker machen können, um erfolgreich zu sein.

Unter dem Motto:

Tue Gutes – und rede darüber

Eine Doppelantwort biete die Erfahrung aus mittlerweile drei Brot-Festivals: Tue Gutes – und rede darüber. Sprich, richtig gutes Brot backen – und entsprechend effektiv präsentieren.

Bei der ersten Veranstaltung waren 24 Bäcker dabei. In diesem Jahr hätten es mehr als die 35 sein können: „Es wollten noch mehr Bäcker kommen. Aber wir hatten einen Aufnahmestopp, weil der Platz im Saal nicht ausreichte“, sagt van Melle. Und das, obwohl die Gebühr für einen großen Stand 1400 Euro beträgt.

Trotzdem dürften die teilnehmenden Bäcker auf ihre Kosten gekommen sein – abgesehen vom Werbeeffekt. „Und dem Netzwerk, das sich unter den Bäcker zwischenzeitlich gebildet hat“, sagt sich die Initiatorin mit Freude darüber, dass das Bäckerhandwerk die Steilvorlage durch Kruste&Krume in mehrfacher Hinsicht zu nutzen versteht.

Mit ausgefallenen wie klassischen Kreationen: Unter anderem wurden schokoladig-süße und pikante Brotmuffins mit Käse und Schinken, ein veganes Brot mit Röstzwiebeln und Sauerkraut, Klassiker wie der Arlbergspitz, Baguettevarianten und Sauerteigbrote mit knuspriger Kruste und weicher präsentiert. Der Veranstaltungsname ist Programm.

Natürlichkeit, Qualität und

Authentizität sind gefragt

Darauf haben sich Bäcker wie die Boulangerie Paremi (Wien), die Bäckereien Brandl (Linz), Fröhlich (Steyr) und Auer (Graz) fokussiert. Auer zum Beispiel war nur mit dem Franciscuslaib vor Ort– einem Biobrot aus Weizenmehl, Natursauerteig und Meersalz.

Wobei das Konzept für teilnehmende Bäcker skizziert wäre: Natürlichkeit, Qualität und Authentizität seien gefragt, sagt van Melle und trifft damit den Geschmack der Verbraucher.

Größere Veranstaltungshalle

im kommenden Jahr

Wie Auer und seine Kollegen: Der Zwei-Kilo-Franciscuslaib ging in Wien mehr als 100-mal über den Tresen – für 12 Euro das Stück. „Für uns war es ein Erfolg“, sagt Martin Auer. Für 2019 will van Melle eine größere Lokalität suchen, „um dem Andrang gerecht zu werden“.

Hatte viel zu erklären: Bäckermeister und Brotprüfer Heinz-Peter Kohlgrüber.
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