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„Brot gegen Not“ schafft Lohn und Brot

In der Bäckerei in Casablanca sind verwitwete oder junge, ungewollt schwangere Frauen im Einsatz, die häufig von ihren Familien verstoßen werden. (Quelle: Stiftung/privat)+
In der Bäckerei in Casablanca sind verwitwete oder junge, ungewollt schwangere Frauen im Einsatz, die häufig von ihren Familien verstoßen werden. (Quelle: Stiftung/privat)

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Die Kamps-Stiftung hat seit dem Jahr 2000 weltweit 16 Ausbildungsbackstuben errichtet / Gesucht werden Bäcker als Entwicklungshelfer

Von Reinald Wolf

Früher Europa, heute in praktisch jedem Erdteil: Heiner Kamps ist zwar nicht mehr in der Backbranche aktiv, aber er sorgt mit seiner Stiftung für Entwicklungshilfe und Perspektiven im Zusammenhang mit dem Backen.

Seit 2000 sind im Namen von „Brot gegen Not“ in 13 Ländern rund um die Welt 16 Ausbildungsbackstuben errichtet worden – unter anderem in Argentinien, Brasilien, Marokko, Rumänien, Albanien, Nicaragua und Malawi. Die Idee: „Brot gegen Not“ biete Hilfe zur Selbsthilfe – und mit einem soliden Handwerk und ohne Hunger könne die Zukunft besser gestaltet werden. „Wir errichten Backstuben, anstatt Brot zu verteilen“, erklärt Heiner Kamps das Konzept für eine nachhaltige Entwicklungshilfe.

„Die Ausbildungsbackstuben entstehen mit Unterstützung von Spendengeldern, gespendeten Maschinen, Geräten und Öfen und vor allem den Partnern vor Ort“, sagt Oliver Flodman, der als Projektmanager den jeweiligen Standort sucht, sichtet, mitentwickelt und betreut.

Projektpartner in den jeweiligen Ländern sind meist Schulen oder Missionen der evangelischen oder katholischen Kirche. Verspricht die Ausbildungsbackstube vor Ort nach eingehender Analyse von Oliver Flodman ein entwicklungsfähiges Projekt zu werden, wird die Bäckerei gebaut – mit einer durchschnittlichen Größe von 150Quadratmetern, inklusive der Nebenräume.

Professionelle Ausbildung

durch Engagierte und Bäcker

Die Ausbildung für jeweils bis zu zehn Personen dauert etwa zwei Jahre. „Danach haben sie fast Gesellenbriefniveau“, sagt Flodmann. Dafür stehen die ehrenamtlichen Bäcker, die vor Ort für die Ausbildung zuständig sind. „Da sind Seniorexperten, junge und engagierte Bäckermeister und auch Fachlehrer im Einsatz, die vor allem auch dafür sorgen, dass die Theorie nicht zu kurz kommt.“

Die Einsatzzeit betrage drei Monate. „Wobei wir auch Wiederholungstäter haben, die immer wieder im Einsatz sind“, betont Flodman.

Einer davon ist Jörg Reinhold aus Wesenberg (Mecklenburg): „,Backen, reisen und helfen, das ist mein Ding. Außerdem bekommt man sehr viel zurück.“

Im Moment sucht die Stiftung noch Bäcker für die Backstube in Mzuzu (Malawi) und das nächste Projekt in Gambia.

Die Chance, wertvolle

Erfahrungen zu machen

„Brot gegen Not“ organisiert alles rund um die Reise und den Aufenthalt und übernimmt laut Flodman alle entstehenden Kosten. Grundkenntnisse in Englisch seien aber notwendig.

So ein Einsatz – egal in welchem Land – biete vor allem jungen Fachleuten die Möglichkeit, Erfahrungen zu machen und sich persönlich weiterzuentwickeln – und den Menschen aus meist sehr armen Verhältnissen Perspektiven zu bieten. Das Feedback sei super. „Die Auszubildenden sind fleißig und dankbar, und lernen auch Deutsch.“

12 Mitarbeiter und

100 Waisenkinder versorgt

In der Bäckerei in Mosambik zum Beispiel sind zwischenzeitlich 12 Angestellte in Lohn und Brot und im Zweischichtbetrieb im Einsatz. „Und die Erlöse der Bäckerei decken ziemlich konstant die Kosten für die Versorgung der 100 Kinder im angeschlossenen Waisenhaus.“

Ein Problem in Afrika ist, dass der Weizen eingeführt werden muss. Aber auch da hat „Brot gegen Not“ ein Lösung im Visier: „Wir tüfteln an Maniokmehl, das bis zu 25 Prozent zugegeben werden kann und die Abhängigkeit von Weizenimport reduzieren würde“, sagt Oliver Flodman, der das Projekt auch über die zwei Ausbildungsjahre hinaus betreut.

„Das ist insgesamt eine tolle Sache“, finde unter anderem Bäckermeister Volker Kleinle aus Poppenweiler bei Ludwigsburg, der schon einen ausgedienten Teigteiler und eine Ausrollmaschine gespendet hat und sich freuen würde, „wenn noch mehr Kollegen die Stiftung ‚Brot gegen Not‘ unterstützen würden“.

www. brotgegennot.de

 

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