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Brötchen kommen mit Politik in eine Tüte

Martin Grath ist in mehrfacher Hinsicht gefragt: Zwei „Dinkelwegga“ – und was macht eigentlich die Durchfahrtsstraße? (Quelle: Wolf)+
Martin Grath ist in mehrfacher Hinsicht gefragt: Zwei „Dinkelwegga“ – und was macht eigentlich die Durchfahrtsstraße? (Quelle: Wolf)

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Martin Grath ist Landtagsabgeordneter in Baden-Württemberg und verkauft auf dem Heidenheimer Wochenmarkt

Von Reinald Wolf

Ich bekomme 430 Cent – danke, dann gibt es 570 Cent zurück.“ Schnell, versiert – und mit pfiffigem Charme meistert den Andrang vor der Bäckerei „Körnlesbeck“ in Heidenheim. Den Verkaufsvorgang garniert der 58-Jährige bei Bedarf auch gerne mit politischen Statements und Infos.

Servieren, informieren –

und kassieren

„Ich bin jedenfalls gegen den Flächenverbrauch durch eine weitere Durchfahrtsstraße“, kommentiert er die Anfrage, ob ein Innenstadttunnel nicht sinnvoll wäre, um der Verkehrsbelastung im Mittelzentrum mit knapp 50.000 Einwohnern Herr zu werden. Servieren, informieren – und kassieren. Ein Vorgang, der sich noch öfter wiederholt. An guten Tagen bedient Bäckermeister Martin Grath rund 250 Kunden im Rahmen des Wochenmarkts. Und seine Stundenleistung ist „überdurchschnittlich“. Mehr möchte der eloquente „Fachverkäufer“ in Diensten von „Körnlesbeck“ nicht verraten.

Man kann sagen, seit er seine Bio-Bäckerei 2003 abgegeben hat, ist Grath regelmäßig samstags von 7:00 bis 12:00 Uhr davor aktiv. Aber nicht als Konkurrent seines Nachfolgers, sondern „als 450-Euro-Kraft“, wie er betont. „Ich habe mich praktisch outgesourct“, erklärt er mit schelmischem Augenzwinkern.

Der Hintergrund: Grath ist auch politisch aktiv. Von 2004 bis 2016 war er Mitglied im Gemeinderat Heidenheim. Seit 2016 ist er für die Grünen im Baden-Württembergischen Landtag im Einsatz – unter anderem als engagierter und origineller Fürsprecher des Handwerks. So hat er bei der Eröffnung des renovierten Landtags in Stuttgart zusammen mit einem Parteikollegen mit einer informativen und unterhaltsamen Backshow für Aufsehen gesorgt.

„Dass es der nötig hat, auf dem Wochenmarkt Wahlkampf zu machen“, hätten sich schon kritische Stimmen zu seinen Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Bäckerhandwerk gemeldet.

Überzeugungstäter –

aber kein Fundamentalist

„Aber das ist Unsinn. Mir macht es einfach Spaß, meinen beiden Passionen Ausdruck zu verleihen“, sagt der bekennende Überzeugungstäter, der sich selbst einen darstellerischen und missionarischen Eifer – „ohne Fundamentalismus“– attestiert. „Da haben wir Graths einen genetischen Defekt.“

Zum Wohle des Handwerks, der Verbraucher und des ländlichen Raums, sollte man in dem Fall ergänzen. Denn das sind Martin Graths politische Schwerpunkte.

„Das T-Shirt gefällt mir, soll ich Dir einen Mitgliedsantrag geben?“, spricht Grath einen grün gekleideten Passanten an, der lächelnd ein vage Zusage macht und weiterzieht. Man kennt und schätzt „den Martin“, der seine Botschaft gerne auch in Kombination mit dem „Martinle“ (Bio-Weizen-Roggen/ 500g für 3 Euro) oder dem größeren Pendant „Martinsbrot“ (2 kg zu 8,40 Euro) oder anderen Bio-Backwaren aus seinem Standsortiment mit 13 Produkten verkauft.

Gelebte Bürgernähe

mit Bioland-Backwaren

 

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