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Auftrag! Hürde! Torte!

Konditor und Bäcker statt
TV-Köche: Frank Steidl (rechts)
und Thomas Horn haben eine
eigene Fernsehserie.
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Konditor und Bäcker statt TV-Köche: Frank Steidl (rechts) und Thomas Horn haben eine eigene Fernsehserie.

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Kamera und Schnitt: nervig. Unterhaltungswert: hoch. Die Helden der Serie „Die Torten-Tuner“ sind echte Meister, sie räumen Hürden aus dem Weg.

Von Heiner Siefken

Asterix und Obelix sind also Konditorenmeister geworden. Beim Anblick der Torten-Tuner drängt sich dieser Gedanke zumindest auf. Der eine, , ist ein Koloss. Der andere, , fällt optisch neben ihm kaum auf. Ihre Gemeinsamkeiten: Sie sind Hamburger, sie sind Freunde, sie lieben gigantische Torten. Das Rezept der sechsteiligen TV-Serie, mit der Kabel eins derzeit Quoten jagt, dürfte Handwerkern bekannt vorkommen: Kunde xy erteilt einen so schwierigen wie ungewöhnlichen Auftrag. Und schon stürzen sich die Helden des Alltags in ein Abenteuer mit Auftragsfrist.

Auftraggeber in der zweiten Folge: ein bekannter Hamburger Tätowierer. Für das Jubiläum seines Tattoo-Studios will er eine „geile Torte“. Sieben Stockwerke sollen es sein. Frank Steidl weiß: Für einen verrückten Auftraggeber müssen verrückte Ideen her, vielleicht „irgendwie was mit Porno“. Die Konditoren besprechen diesen delikaten Fall mit der „Torten-Designerin“ Betty. Und die hat gute Vorschläge: Wir wäre es mit gepiercten Ohren? Und warum nicht gleich gepiercte Brustwarzen? Steidl notiert: „Thomas übernimmt die Nippel.“

 Bei großen Aufträgen und XXL-Torten kooperieren sie – insgesamt beschäftigen die beiden Chefs knapp 40 Mitarbeiter. Dass sie für ein Projekt wie die Tattoo-Torte ein paar Hände gebrauchen können, zeigt schon der Blick auf die Zutaten-Liste: 36 Kuchenböden, 45 Kilo Marzipan, 13 Kilogramm Mehl. Was kostet so eine Kreation? „Normalerweise bewegt sich das zwischen 7,50 Euro und 12,50 Euro – pro Person und Stück“, sagt Horn. Klingt erstmal happig. „Ist aber angemessen“, entgegnet Horn im Gespräch zwischen zwei Drehpausen, „wir betreiben ja auch einen irren Aufwand“.

Aufschlagen im Akkord

Was noch im Rezept der Tattoo-Torte fehlt, sind die 580 Eier, die getrennt werden müssen – Aufschlagen im Akkord. Horn sagt: „Jedes Mal muss ich das machen.“ Und macht’s falsch. Steidl verdreht die Augen. Der Zuschauer denkt sich jetzt: Dass der Chef einer Konditorei und Bäckerei solche Arbeiten komplett selbst erledigt, glaubt Euch keiner. Und falls Ihr das doch macht, habt Ihr ein Personalproblem. „Gut, das war in erster Linie auch fürs . Aber wenn Not am Mann ist, lege ich natürlich selbst mit Hand an“, gibt Thomas Horn zu.

Andere Szenen aus dem Arbeitsalltag sind sehenswert: Steidls Frau Jacky leitet den Verkauf. Frank ist in der Backstube der Chef, aber im Laden muss er warten, bis Jacky ihm mal zuhört, die Kunden vor dem Tresen gehen vor. Hier hat die Chefin das Sagen. Und während sie ihm eine Zutat („Pfeffer, ein super Geschmacksträger für eine scharfe Torte“) besorgt, bedient er die Kunden. Ganz eindeutig ist das nicht sein Ding: „Da bin ich unsicher. Ich weiß die Preise nicht, ich kann auch nicht einpacken.“

Die Zeit bis zum Jubiläum des Tattoo-Studios rast dahin, die Probleme sägen an den Nerven aller Beteiligten. Die Farben für die Ohren gelingen nicht sofort, der Tortenständer ist noch nicht fertig, die Tortendekorateurin will freihändig per Airbrush Totenköpfe auf die einzelnen Torten zeichnen – und das geht total schief. Zuckerbäcker in Zeitnot. Und das ist dann wieder nah am Arbeitsalltag. Als Steidl besonders gestresst ist, nimmt Horn ihn in den Arm – und bappt ihm grinsend eine Brustwarze auf die Stirn. Horn: „Die Emotionen müssen raus. Manchmal flaxen wir rum, wir schreien uns auch schon mal an. Und zwei Minuten später, wir sind ja keine bösen Menschen, haben wir uns wieder lieb.“

 An jeder Ecke lauern neue Aufgaben. Während Frank für die Präsentation eine Stripperin mit Schokolade bemalt, platzt Thomas ein durchsichtiger Totenschädel, den er aus Isomaltzucker geformt hatte. Entsetzen. Der Zuschauer leidet mit – unter anderem auch, weil die Schnitte schneller werden, der Stress künstlicher, die Musik aufdringlicher.

Thomas sagt zu Frank: „Bewegst Du jetzt mal richtig Deinen Arsch.“ Ein Satz für die Kameras? „Nein, wir haben keine Vorgaben, kein Drehbuch. Wir haben nichts für die Kameras gesagt.“ Es gebe Situationen, die ein Kameramann verpasst habe. Dann, und nur dann, seien die beiden gebeten worden, eine Szene zu wiederholen: „Was wir hier zeigen, passiert auch im realen Arbeitsleben so“, sagt Thomas Horn, der Handwerker mit den zwei Meistertiteln – er ist auch Bäckermeister.

Die Gäste stehen vor der Tür, auf der Torte fehlt noch ein Großteil der Dekoration. Improvisieren ist auch eine . Horn leiht sich vom Wirt einer Szene-Kneipe einen Totenkopf, mit dem er an Stelle der Zuckergussvariante die Torte krönt. Am Ende sind alle zufrieden. Ein goldener Vorhang fällt, Schreie, Beifall, Umarmungen. Der Tätowierer und die Torten-Tuner strahlen um die Wette. Im Fernsehen ist das so, denkt sich der Zuschauer, da sind die Leute überdreht. Und was gab es nicht schon für dämliche Handwerker-Formate – da sind die Hamburger richtig unterhaltsam.

Weil aber die Zuschauerquote der ersten Folgen mies war, haben die Programmplaner von Kabel eins den Sendeplatz der beiden Handwerksmeister an die – man ahnt es – tausendste Kochsendung vergeben. Die übrigen drei Folgen werden voraussichtlich samstags um 18.15 Uhr (11., 18., 25. Februar) ausgestrahlt.

Konditor und Bäcker statt TV-Köche: Frank Steidl (rechts) und Thomas Horn haben es ins Fernsehen geschafft.
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