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„Auf Bäcker reimt sich lecker"

Gerold jun. (von links), Andreas und Gerold Rebholz sind zusammen mit ihrer Mutter beziehungsweise Ehefrau Liane immer für einen Spaß zu haben. Foto: Wolf  (Quelle: Wolf)+Zur Fotostrecke
Gerold jun. (von links), Andreas und Gerold Rebholz sind zusammen mit ihrer Mutter beziehungsweise Ehefrau Liane immer für einen Spaß zu haben. Foto: Wolf (Quelle: Wolf)

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Andreas Rebholz gehört zu einer theaterbegeisterten Bäckerfamilie / Mit einem „Bäckergedicht“ schafft er beim Poetry Slam den Durchbruch

Von Reinald Wolf

So lange Ihr im Supermarkt kauft oder in Backshops, da gehen die ganzen kleinen Bäcker einer nach dem anderen hops“, lautet der Befund von Andreas Rebholz. Nein, er ist nicht der verbraucherpolitische Sprecher der grünen Landesregierung. Rebholz ist Bäckersohn und sorgt als Wortakrobat auf kleinen Bühnen Süddeutschlands immer wieder für Furore – beim Dichterwettstreit, in der Szene als bekannt. Hier treten die Kandidaten mit selbst geschriebenen Geschichten und Gedichten gegeneinander an.

Gedicht begeistert

Den Durchbruch beim Poetry Slam hat Rebholz seiner Bäckergeschichte zu verdanken. In mehrfacher Hinsicht. Denn er ist praktisch in der Backstube seiner Eltern aufgewachsen und weiß, von was er spricht. Liane und Gerold Rebholz betreiben eine kleine Traditionsbäckerei in Sigmaringendorf bei Sigmaringen an der Donau. Gerold Rebholz ist außerdem Obermeister der Bäckerinnung Sigmaringen, hat jahrelang das Kindertheater des örtlichen Theatervereins geleitet und selbst gespielt. Auf der „Waldbühne“ hat auch der heute 24-jährige Andreas Rebholz als Kind seine ersten Bühnenerfahrungen gesammelt - so wie sein etwas älterer Bruder Gerold, der heute souverän Faschingsveranstaltungen moderiert und der in der Stuttgarter Bäckerei Sailer seine Bäckerlehre absolviert hat.

Andreas Gerold hat keinen Gesellenbrief. Aber als Bäcker einiges an Erfahrung vorzuweisen. Schon als Schüler waren beide Brüder immer wieder in der Backstube im Einsatz, um in Spitzenzeiten auszuhelfen und sich ein Zubrot zu verdienen. Da hat sich bis heute nichts verändert, auch wenn beide Brüder im Moment studieren. Gerold Lebensmittelmanagement und Lebensmitteltechnologie, Andreas Energie- und Ressourcenmanagement. Wann immer sie es einrichten können und gebraucht werden, sind die beiden Frohnaturen in der Backstube zur Stelle. Im Jahr 2012 war das von existenzieller Bedeutung. Die Jungs mussten praktisch über Nacht ran, nachdem Vater Gerold Rebholz einen Herzinfarkt erlitten hat. Zum Glück waren Semesterferien und so haben die Söhne zusammen mit den Kollegen in der Backstube die Bäckerei gerettet. „Kann man so sagen“, resümieren sie heute mit heiterer Zufriedenheit. Dabei war es eine echte Herausforderung. „Weil die Rezepturen Chefsache waren und unser Vater direkt nach dem Herzinfarkt nicht so recht ansprechbar war“, beschreibt Andreas Rebholz eines der Probleme. Nach dreimonatigem Krankenhaus- und Reha-Aufenthalt ist der Vater wieder einigermaßen auf dem Damm und die Bäckerei mit einer Rezeptdatenbank ausgestattet. „Das haben die Jungs super gemacht“, betont Gerold Rebholz mit sichtlichem Stolz. Wobei die Bäckereiretter auch die hohen Qualitätsansprüche ihres Vaters umgesetzt haben: „Ewig lange Teigführungen und so“, wirft Andreas Rebholz einen Aspekt in die Debatte. Bei allem Ernst der Lage sind im Hause Rebholz der Humor und der Sprachwitz nie zu kurz gekommen. „Wir sind als Kasper bekannt, mit entsprechenden Sprüchen, auch in der Backstube“, spricht Gerold Rebholz jun. für seine Familienmitglieder. Dazu könnte auch dieser nahezu fachkompetente Spruch zählen: „Ein richtiger Bäcker ist so erfahren, dass er sein Blech fetten kann mit den eigenen Haaren.“ Der Spruch stammt aus dem Bühnenprogramm von Andreas.

Backen und reimen

Für Vater Gerold Rebholz waren die Literatur und das Theater immer ein zeitaufwändiges Hobby, „aber ein wunderbarer Ausgleich zur Arbeit als Bäcker". Sohn Andreas würde sagen: „Mein Vater weiß eben, dass Work-Life-Balance keine Yogaübung ist."

Und diese Liebe zur Literatur, die Lust zum Reimen, diesen Hang zur lebensfrohen Performance hat Gerold Rebholz seinen Söhnen vermittelt. Unter anderem beeinflusst durch die Hip-hop-Band Die Fantastischen Vier. Davon profitiert im Fall von Andreas Rebholz heute auch ein größeres Publikum – konsum- und marktkritische Hinweise inklusive. Oder kennen Sie den?: „Und mit den ganzen Aufbackbrötchen und wie sie sich nennen, könnt Ihr Euch zuhause die Außenwand dämmen. Aber es gehört verboten, dass sich so was Backware nennt, ich bezeichne die FDP ja auch nicht als kompetent.“ Egal wie – Rebholz vermittelt eindrücklich: „Auf Bäcker reimt sich lecker.“

 

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