Prisma

Wo die Kundschaft Genussrechte kauft

Die Bäckerei Schomaker geht bei der Finanzierung neue Wege


Rheurdt (rgb). Um Kapital für die Modernisierung seiner Bäckerei zu finden, beschreitet Biobäcker Andreas Schomaker neue Wege. Weil die Hausbank nicht bereit war, ihm Kredite zu geben, erhofft er sie sich seinen Kunden – und bietet ihnen im Gegenzug Gewinnbeteiligung an.

2,5 Mio. Euro Jahresumsatz erwirtschaftet die Biobäckerei mit 37 festen Mitarbeitern und rund 50 Aushilfen. Neben dem Verkauf in drei Filialen und auf etlichen Wochenmärkten beliefert Schomaker seit 19 Jahren 66 Bioläden in Nordrhein-Westfalen – aber dies reichte trotzdem der Volksbank nicht für die Finanzierung eines automatischen Sauerteigbehälters und eines Mehlsilos aus. Die Schlepperei der Mehlsäcke soll aufhören, damit seine Bäcker mehr Zeit für Brot und Brötchen haben, was die Bank sicherlich einsieht, aber keine 240.000 Euro Kredit wert ist. Schomaker: „Ich habe viele Gespräche geführt, aber die haben das Potenzial nicht so recht verstanden und wissen auch nicht, wie ein Biobäcker arbeitet.“

Jetzt bietet er seinen Kunden Genussrechte an. Genussrechte sind eine Mischung aus Anleihe und Aktie. 1000 Euro kostet jeder Schein, der mit jährlich drei Prozent bei siebenjähriger Laufzeit oder vier Prozent bei zwölf Jahren verzinst wird. Fallen die Gewinne höher aus als erwartet, gibt es gar den doppelten Zinssatz. Eine Beteiligung wie bei einer Aktie kann es nicht geben, denn dies verstieße gegen das Aktiengesetz. Gegen Verluste sind die stillen Teilhaber aber nicht gewappnet, sie tragen das volle Geschäftsrisiko mit. Ausgezahlt wird in bar oder in Brot- und Backwaren. Wer den Warengutschein bevorzugt, erhält gar 20 Prozent Rabatt auf jeden Einkauf, was bei einem regen Einkauf gar eine noch höhere Rendite bedeuten kann.

Da Schomaker kein Hasardeur ist, sondern mehr Sicherheiten bietet will als mancher Anlageberater renommierter Banken, hat er zur Sicherheit der Anteilseigner 60.000 Euro bei einer Bank hinterlegt und zudem haftet er mit seinem gesamten Privatvermögen. 30 Kunden haben seine Idee bereits aufgegriffen und Genussscheine gezeichnet. Schomaker war selbst ein wenig von dem Anfangserfolg überrascht. Somit sei bereits mehr als ein Drittel der erforderlichen Summe aufgebracht worden. Schomaker: „Das ist ein super Vertrauensbeweis der Kunden“.

Schomaker sieht einen weiteren Vorteil in dieser Finanzierung. Seine Unabhängigkeit gegenüber den Banken wird gestärkt, zudem bessern die Genussrechte seine Bilanz auf, denn sie gelten als Eigenkapital, während Kredite Fremdkapital sind.

Torsten Mischnik, Unternehmensberater bei der Handelskammer Düsseldorf, hält die Idee des findigen Biobäckers für ein „gutes Modell“.

Wobei er einschränkt, dass dieses Modell nicht so ohne weiteres übertragbar sei auf jede Bäckerei: „Die Öko-Klientel ist schon ein Völkchen für sich.“ Es müsse die Identifikation mit dem Unternehmen vorhanden sein, und die ist bei einem Biobäcker noch stärker als bei dem konventionellen Bäcker um die Ecke. In diesem Fall sei die Kundschaft auch eher bereit, sich einzusetzen für den Laden ihres Vertrauens. Mischnik: „Für gewisse Nischen kann ich mir das sehr gut vorstellen.“


Artikel vom 06.07.2005
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