Prisma

Warum sich der Hot-dog durchsetzte

Informatives und Kurioses zur Entwicklung von „Food-Design“


Wien (rgb). Das Wiener Architektenduo Sonja Stummerer und Martin Hablesreiter hat sich mit der Geschichte von Food-Design befasst und ihre historische Forschung in dem Buch „Food Design“ veröffentlicht. Symbolische Opfergaben aus Brotteig seien wohl die ältesten Beispiele für Food-Design und sie haben sich bis heute gehalten, z.B. in Form von Striezel oder Zopf. Sonja Stummerer: „Der Zopf geht zurück auf das in der Antike übliche Haaropfer. Man schnitt sich die Haare ab und brachte sie als Opfergabe dar.“ Interessant findet sie es, dass wir heute einen Nikolaus aus Schokolade ohne Skrupel essen, hingegen wird ein Schoko-Kruzifix als Sakrileg betrachtet.

Und die 52 Zacken eines Kekses, heute sein Markenzeichen, halfen ursprünglich nur, den gebackenen Teig besser aus seiner Form zu lösen.

Wer wissen möchte, warum es Zuckerwürfel und keine Zuckerkugeln gibt, dagegen Mozart in Kugeln geformt wurde und nicht in Quadern, ist bei diesem Buch gut aufgehoben. Hotdogs konnten sich deshalb so gut durchsetzen, weil die Semmel verhinderte, dass man sich mit der Wurst die Hände fettig machte, und die Semmel war appetitlicher als das bis dahin verwandte Zeitungspapier. Ebenso war die Semmel für den Durchmesser der Wurstgröße entscheidend, denn wer ein belegtes Brötchen verkaufen will, kann schlecht nicht mit kleinscheibigen Wurstsorten aufwarten.

Gleiches gilt für Käse, der getoastet wird. Runder Käse in eckigen Toastscheiben – ein Greuel, denn er zerläuft unkontrolliert. Daher wurden die Scheibletten eckig, obwohl alle klassischen Käseformen rund sind. Auf die Frage des Österreichischen Fernsehens, was die Food-Designer denn als nächstes überarbeiten sollten, sind sich die Autoren einig: Die Semmel. Sonja Stummerer: „Die Semmel ist etwa im Jahr 1790 erfunden worden und hat bis heute die charakteristischen fünf Teile – was ein Teilen der Semmel in zwei gleiche Hälften unmöglich macht. Im Zeitalter des Sandwich wäre ein Re-Design sinnvoll – z.B. dass man Wurst oder Käse gleich horizontal einlegen kann.“

„Food Design. Von der Funktion zum Genuss.“ von Sonja Stummerer und Martin Hablesreiter ist im Springer-Verlag, Wien, erschienen. 25,– Euro; ISBN: 3211235124


Artikel vom 16.06.2005
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