Blickpunkte

Vorstand und Innung von der Basis entfernt

Jörg Bopp, engagiertes Mitglied der Bäckerinnung Alb-Neckar-Fils, mit einem kritischen Beitrag zu Großinnungen


Mit einem Beitrag auf der Innungsversammlung wollte Jörg Bopp die Kollegen animieren, sich stärker für ihre eigenen Belange zu engagieren. Dazu gehört auch der Besuch einer Innungsversammlung. Um auch die zu erreichen, die nicht vor Ort waren, veröffentlichen wir nachfolgend den Wortbeitrag als Leserbrief:

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitgleider,

400.000 Euro Rücklagen, wie wir im Vorbericht gehört haben, ist ein stolzer Betrag für unsere Innung. Ich möchte die Höhe des Geldbetrags und die Verwendung zum Anlass nehmen, über das Interesse der Innungsmitglieder zu sprechen.

Seit Jahren haben wir rückläufiges Interesse an den Mitgliederversammlungen gespürt. 30 bis 35 Mitglieder, etwa 15 Prozent, sind bei den Versammlungen anwesend, der Rest sind Bäckersänger und Delegierte. Das ist zu wenig! Hört man in die Betriebe hinein, wird der Unmut vieler deutlich. Innungsbeiträge, auch Kreishandwerkerschaft und Handwerkskammer, werden genau in Kosten-Leistungs-Rechnungen abgewogen.

Ob Fachpresse oder Berufsorganisation – kritische Anfragen und Beiträge werden zu häufig unterdrückt. Beim Zentralverband des Bäckerhandwerks in Berlin sieht dies ähnlich aus. Eine Anfrage von mir über Subventionszuschüsse aus EU-Töpfen blieb bis heute unbeantwortet. Bei allem, was unbequem ist, wird gemauert, und man hofft, die Angelegenheit wird sich schon von alleine beruhigen. Dies spiegelt sich auch in unserer Innung wider. In der vorgezogenen Regionalbeiratssitzung hatte ich diese Situation angesprochen, im Protokoll der Sitzung war dies jedoch nicht zu lesen. Alles, was unangenehm ist, wird beschönigt.

Vielleicht weckt mein Zuruf auch die Mitglieder, die bei der Mitgliederversammlung nicht anwesend waren. Kommen Sie zur Innungsversammlung und geben Sie durch Ihre Meinung die Marschrichtung der Innung vor, denn wir sind diejenigen, die den Innungsbeitrag bezahlen. Innungsaustritte oder das Fernbleiben von Versammlungen sind keine Alternative.

Ich habe nichts gegen größere Einheiten. Die Synergieeffekte liegen auf der Hand. Aber bei einer Großinnung wie der Bäckerinnung Alb-Neckar-Fils ist es eine Tatsache, dass sich Innung und Vorstand von der Basis entfernt haben. Sie, Herr Obermeister Schultheiß, sind herzlich auch mal zu den Regionalversammlungen eingeladen, denn hier erfahren Sie, wo den Mitgliedern der Schuh drückt.

Jörg Bopp, Geislingen


Artikel vom 16.06.2010
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