Prisma

Vorgaben sollten handhabbar bleiben

Politgespräch zur Lebensmittelsicherheit und zum Verbraucherschutz in der Sinsheimer Stadtbäckerei Frick


Sinsheim (biv). Prominenten Besuch im Betriebsgelände hatte die Stadtbäckerei Frick in Sinsheim. Die Staatssekretärin im Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum Baden-Württemberg sowie Landtagsmitglied Friedlinde Gurr-Hirsch (CDU), Sinsheims MdL Elke Brunnemer, dazu der Leitende Ministerialrat Dr. Peter Binnemann, die Landesinnungsmeister des Bäckerinnungsverbandes Baden, Walter Augenstein, und sein württembergischer Kollege Johannes Schultheiß sowie die jeweiligen Geschäftsführer Ute Sagebiel-Hannich sowie Andreas Kofler diskutieren beim Arbeitsbesuch unter anderem über neue lebensmittelrechtliche Vorschriften, Lebensmittelsicherheit und die Situation des Bäckerhandwerks im Land.

Staatssekretärin Gurr-Hirsch sprach sich für eine „handhabbare Praxis” aus, die beiden Interessen, dem Verbraucherschutz und dem Handwerk Rechnung trägt. Die gesetzlichen Vorgaben der EU sollten „eins zu eins umgesetzt, nicht durch nationale Zielvorgaben getoppt werden”, meinte die Staatssekretärin, votierte für „niederschwellige Maßnahmen” an Stelle „opulenter Zutatenlisten”.

Das Verkaufspersonal sollte die wichtigen Verbraucherinformationen über die Zutaten geben. Eine wesentliche Verbraucherinformation sei die Landesinitiative „Blickpunkt Ernährung”, die in diesem Jahr das Schwerpunkt-Thema Getreide hat. Die CDU-Parlamentarierin lobte dabei das „Forum Ernährung” des Rhein-Neckar-Kreises mit seinen Kooperationspartnern, die mit der Veranstaltungsreihe „Getreide aufs Korn genommen” das Thema Lebensmittelsicherheit praxisnah darlegen.

Ein „Topp-Niveau” der Getreidesorten dank Forschung und Entwicklung im Land, dazu eine Qualitätsoffensive und die Vielfalt bei Brot und Backwaren sind laut Landesinnungsmeister Walter Augenstein die Pluspunkte des Bäckerhandwerks. Grund für die schlechten Zahlen im Bäckerhandwerk sei die Konkurrenz durch Supermärkte und Backdiscounter. Hier wollen die Handwerker mit Qualität und anhaltender Frische Boden gut machen.

Der Verbraucher solle den Bäcker als „kompetenten Lebensmittelerzeuger” erleben, sah Geschäftsführerin Sagebiel-Hannich die Initiative beim Bäckerhandwerk. Trotz schlechter Rahmenbedingungen hat das Bäckerhandwerk in Baden-Württemberg 2004 die Zahl seiner Ausbildungsplätze gegenüber dem Vorjahr gesteigert: Bei den Bäckerlehrlingen um 7,4 Prozent auf 957, bei den Fachverkäuferinnen um 11 Prozent auf rund 2275.

Rund 2500 backende Betriebe gebe es noch im Bundesland, „jedes Jahr zwei bis drei Prozent weniger”, rechnete Andreas Kofler vom württembergischen Landesinnungsverband vor. Mitte der 50-er Jahre waren es noch 9500 Bäckereien.

Überleben durch Expansion, diesen Weg hat auch die Bäckerei Frick beschritten. Das 1936 gegründete Unternehmen wird seit 1973 von Walter und Magdalena Frick geführt und beschäftigt rund 125 Mitarbeiter in 13 Filialen sowie in dem 1200-Quadratmeter-Produktionsbetrieb in der Robert-Mayer-Straße.

Seit 1992 wird dort gebacken „nach handwerklicher Tradition”, so der stellvertretende Landesinnungsmeister Walter Frick. Qualität und „keine Massenproduktion” sei der Schlüssel zum Erfolg. Derzeit werden fünf angehende Bäcker, drei Konditoren, sechs Verkäuferinnen und eine Bürofachkraft ausgebildet.


Artikel vom 28.07.2005
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