Blickpunkte
TK-Teiglinge deklarieren?
Im Handwerk können Brötchen bei Plustemperaturen langsam reifen – LEH, Tankstellen und Co müssen passen.
Von Werner Kräling
Auf europäischer Ebene gibt es nicht wenige Handwerksbäcker, die sich eine Deklaration von tiefgefrorenen Teiglingen wünschen, um sich von industrieller Massenware mit gesetzlicher Regulierung abgrenzen zu können. Franzosen und Italiener preschen vor. Industrie, LEH, Tankstellen und Co. sind aus rein logistischen Problemen zur Überbrückung großer Zeitfenster zum Tiefkühllagern von Teiglingen gezwungen. Nun erfreuen sich die Begriffe Tiefgefrieren, Lagerung und heute auch schon Teigling bei einer Mehrheit der Verbraucher nicht gerade großer Beliebtheit – besonders in Deutschland. Das Handwerk könnte mit der anvisierten Verbraucherinformation also einen handfesten Wettbewerbsvorteil ergattern. Solche Gedanken dürften auch der Industrie nicht fremd sein: Schließlich versucht die Großindustrie in Brüssel die Anwendung der HACCP Vorschriften durchzusetzen, denn der bürokratische Aufwand liegt dem Handwerksbäcker weit schwerer im Magen, als den leicht zu dokumentierenden, weil automatisierten Monoproduktionen in menschenleeren Hallen.
Wäre es also nicht recht und billig, als Handwerksbäcker die eigene Pfründe ebenfalls in die Waagschale zu werfen – oder führt das dann bemühte juristische Messer nicht doch einen Schnitt ins eigene Fleisch? Langzeitführungen und Gärverzögerungen ohne Durchfrieren des Teiges sind möglich, qualitätssteigernd, energiesparend aber anspruchsvoll. Viele Handwerksbetriebe geben bei Versuchen zur Umstellung auf und gehen beim A-Artikel auf Nummer sicher: Frosten. Das deutsche Schnittbrötchen ist eben kein Ciabatta. Regionale Besonderheiten hatte Brüssel noch nie gut im Blick, aber die sollte jeder Lebensmittelproduzent kennen – und deshalb gerade nicht an die Tür in Brüssel klopfen. Unter 200 Seiten und 97 Sonder- und Ausnahmeregelungen würde die Regelung nicht mehrheitsfähig. Ich meine, dass ein weniger bürokratisierter, schlicht freier Wettbewerb enormen Spielraum zur Profilierung bietet: „Wir backen mit Zeit für Geschmack: Unsere Brötchen reifen über viele Stunden behutsam heran, um das natürliche, einzigartige Aroma zu entfalten.“ Bei einem guten Rotwein oder Käse wissen Verbraucher das – bei Brötchen nicht. Warum?
Weitere Nachrichten aus Blickpunkte vom 29.04.2008:
Bäcker Egon und die Ökologen
Explosion der Rohstoffpreise


RSS

Zur Bildergalerie "Backkongress 2011"