Blickpunkte
Qualität der Backwaren auf dem Prüfstand I
Wer ist besser: Handwerk oder Industrie? – Die Größe des Produzenten ist heute kein Kriterium mehr für die Kaufentscheidung
Von Prof. Walter Freund Früher konnten die handwerklichen Bäcker davon ausgehen, dass die Verbraucher sehr genau zwischen „Industriebrot“ und Brot aus kleineren Bäckereien unterschieden haben. Sie sahen die Produkte aus den Großbäckereien als weniger gut an als die Backwaren „ihres“ Bäckers. Doch diese Abstufung der Qualität hat sich in den letzten Jahren deutlich geändert. Immer mehr Konsumenten wählen Brote und Backwaren nicht mehr nach der Betriebsgröße, sondern nach der merklichen, nicht nur gefühlten, Qualität. Die Größe des Produzenten ist kein Kriterium mehr für die Kaufentscheidung.
Wir müssen erkennen, dass die Großbäckereien hinsichtlich der Qualität und der Gleichmäßigkeit in den vergangenen Jahren sehr große Fortschritte gemacht haben.
Industriell erzeugte Brote sind heute im Supermarkt oder bei den Discountbäckern qualitativ durchaus als hochwertig anzusehen. Diese Entwicklung ist den Kunden nicht verborgen geblieben. Zudem ist der Preis deutlich niedriger angesiedelt. Natürlich muss man nun fragen, ob diese Meinung auf Tatsachen beruht?
Lassen Sie mich hier ein Beispiel vorstellen: Der Geschäftsführer und der Obermeister haben in den 90 Betrieben ihrer Innung Brote gekauft und diese wurden von zwei erfahrenen Brotprüfern untersucht. Das Ergebnis kann wie folgt zusammen gefasst werden: 50 von den 90 Broten wurden als akzeptabel eingestuft, 40 der Brote wiesen deutliche Fehler hinsichtlich Geschmack, Form, Porung, Aussehen auf, sie wurden als nicht akzeptabel eingestuft. Von diesen 40 hätten 23 nicht verkauft werden dürfen, so die Meinung der Prüfer! Das sind 20 % der untersuchten Brote aus handwerklichen Betrieben. Das sind 20 % zu viel und genau diese Kunden wenden sich dem „Industriebrot“ zu.
Es liegt mir am Herzen, dass das Handwerk nicht noch weitere Marktanteile am Brotmarkt verliert. Schärfen Sie die Augen Ihrer Mitarbeiter, jede Backware, die auch nur kleinste Abweichungen aufweist, darf nicht verkauft werden. Ihre Kunden erwarten jeden Tag Spitzenqualität, dafür sind sie bereit, extra zu Ihnen zu kommen und einen höheren Preis zu bezahlen. Enttäuschen Sie Ihre Kunden nicht durch tägliche Unzulänglichkeiten, die manchmal als typisch „handwerklich“ missverstanden werden.
Weitere Nachrichten aus Blickpunkte vom 09.12.2009:
Qualität der Backwaren auf dem Prüfstand II
Egon spart Energie


RSS



Volles Haus beim Deutschen Backkongress 2010