Prisma
Provozieren mit Strohpuppe am Galgen
Kärntner Bäckermeister will auf Rückgang der Handwerksbäcker aufmerksam machen
Klagenfurt (rgb). Eine Strohpuppe am Galgen baumelt am Giebel der Kärntner Bäckerei Werner Wultsch. Der Bäckermeister und Künstler will mit seiner Strohpuppe in Bäckerkleidung auf seinen Berufsstand und dessen Aussterben aufmerksam machen. Pendler fühlen sich bereits provoziert und haben gegen die Provokation als „verrückt“, „makaber“ und „geschmacklos“ protestiert. Den „letzten Bäcker“ soll die Strohpuppe symbolisieren und Werner Wultsch erklärt dazu: „Mein Stroh-Bäcker wählt bei der wirtschaftlichen Lage lieber den Freitod.“ Er weist darauf hin, dass mit der Vernichtung der handwerklichen Bäckereien durch die Konkurrenz der Supermärkte auch regionale Rezepte verloren gingen.
Werner Wultsch erhielt bei der Eröffnung seiner Vernissage auf Schloss Welzenegg das Kärntner Landeswappen, wurde also von seiten der Landesregierung für sein kulturelles Schaffen ausgezeichnet.
Seine Ausstellung steht unter dem bezeichnenden Titel „Brotlose Kunst“. Bäckermeister Werner Wultsch: „Ich habe Glückwünsche erhalten, dass ich mich das traue. Ich habe aber auch Beschimpfungen erlebt, die Reaktionen sind positiv und negativ.“
„Ich wollte ein Zeichen für die Bäckereibranche setzen. Brotlos ist die Bäckerei in unserer Größenordnung und der Künstler ist im Prinzip auch brotlos. Die Klein- und Mittelbetriebe werden von der Industrie zerdrückt, preislich kann da keiner mehr mithalten. Es werden Semmeln weit unter unseren Herstellungskosten verkauft. Da kann ein Betrieb in unserer Größenordnung, mit einer Tagesproduktion von maximal 8000 bis 10.000 Semmeln, nicht mithalten. Die Industrie hat eine Stundenleistung von bis 100.000 in der Stunde“, so Wultsch.
Den Preisdruck der Großmärkte nennt auch der Innungsmeister der Kärntner Bäcker, Martin Vallant aus Althofen, als Hauptgrund für das Sterben des traditionellen Bäckerhandwerkes.
Dazu kämen steigende Erdölpreise, die den Betrieb von Maschinen und das Liefern der Backwaren teurer machen. 115 traditionelle Bäcker gibt es noch in Kärnten, um 40 weniger als noch vor zehn Jahren. Mit zunehmend geöffneten Läden am Sonntag und Nischenprodukten versuchen die Bäcker gegenzusteuern.
Trotzdem rechne sich vor allem in den Randgemeinden eine traditionelle Bäckerei kaum mehr, sagte Vallant.
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