Prisma

Nicht nur in Sachen Stollen engagiert

Beate Diers, Chefin der Bäckerei Wittbold setzt auf Beratung und Öffentlichkeitsarbeit


Emmerthal (lic). In der 3. Generation wird in der Bäckerei Wittbold in Emmerthal bei Hameln gebacken.

Über Großvater Wilhelm und Vater Wilhelm ist der Marschallstab des Erfolges 1998 in die Hände von Tochter und Bäckermeisterin Beate Diers gelegt worden. Seit der Zeit hat sich kontinuierlich in Geschäftsausbau und Warenpräsentation viel getan. Neben den Produkten des täglichen Bedarfs wie Brot, Brötchen und Feingebäck, sind es Stollen – 15 verschiedene Sorten – die den Betrieb weithin über die Region bekannt gemacht haben. So ist es auch kein Wunder, dass sie Beate Diers beim Stollenzacharias, dem bekannten Wettbewerb dieses Jahr zum dritten Mal hintereinander einen Preis gewonnen hat. Aber auch beim WISO-Stollentest des ZDF machte sie Anfang der Woche als Stollenexpertin eine gute Figur (siehe Bericht auf Seite2).

1991, nach einer Lehre beim Ehrenobermeister und dem Stadtbürgermeister Herbert Rode trat Beate Diers in den väterlichen Betrieb ein. Damals wurden gerade Stikkenofen und Gärunterbrecher angeschafft. Sie legte die Meisterprüfung 1993 in Hannover ab und hat von da an kontinuierlich jedes Jahr mindestens einem Auszubildenden eine berufliche Perspektive geboten. Zwei Gesellen sind heute über 20 Jahre hier beschäftigt.

Starker Konkurrenzdruck belebt das Geschäft, fordert aber viel Initiative. Bis in die 90-er Jahre gab es hier keinen Markt im Ort, jetzt sind fünf rollende Backwarenlieferanten, eine Filiale und ein Bäcker. In bester Kooperation arbeitet Beate Diers mit dem gegenüberliegenden Fleischereibetrieb zusammen. Zahlreiche Aktionen im Bereich Ernährungsberatung, Senioren- und Schülerinformation sowie ständige Präsenz auf jahreszeitlichen Festveranstaltungen begründen einen Teil des betrieblichen Aufschwungs. Die Kaufgewohnheiten der Kunden haben sich auch hier verändert. Mehrkorn- und Misch- sowie feines Vollkornbrot sind stark nachgefragt.

Seit acht Jahren Stollenmanie

„Seit acht Jahren“, so die Meisterin, „habe ich meine Stollenmanie. Immer probieren wir was aus, Ideen werden gesammelt und umgesetzt. Heute sind es 19 Stollensorten, die ich anbiete. Neuester Erfolg: Ein Energieversorger aus Österreich orderte zum Weihnachtsgeschäft 6500 Stollen.“

Mohn-, Christ- und Diabetikerstollen waren die Anfänge. Es folgten Schokostollen für Kinder, Quarkstollen und dann die Teilnahme am Wettbewerb um den Stollen-Zacharias seit 2003. Beate Diers unter die ersten zehn Gewinner. Der Ehrgeiz zu mehr Erfolg brach bei ihr aus und in 2004 gab es den 2. Platz, ebenso in 2005. Im Jahr 2006 setzte sie wegen eines persönlichen Ärgernisses aus. In diesem Jahr kam sie in der Bewertung auf den 3. Platz und hat nun, zwei Jahre lang, „kreative Pause“, weil sie dreimal unter den ersten drei Preisträgern war. So schreiben es die Regularien vor.

„Dann aber bin ich wieder voll dabei, ich will den ganz dicken Zacharias haben“, meint sie und hat schon wieder neue Stollenkreationen parat. Nougat- Baileys, Annanas-Rum, Cappuccino, Dinkel-Nuss, „Der Sagenhafte“ und als ganz besondere Spezialität der Cranberry, sowie Schoko-Chilli-Stollen gehören dazu. In der Region sind es vor allem auch die Landfrauenvereine, die Beate Diers einladen. Dort redet sie über ihr „Stollenfieber“, nennt ernährungswissenschaftliche Fakten und sagt auch, wie sie auf diese oder jene Sorte gekommen ist. Eines aber gibt es nicht: Rezepte.

Im Bäckerhandwerk engagiert

Die Meisterin ist zudem stark in das Innungsleben eingebunden. Sie ist für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig und die breite Palette der Veröffentlichungen in Tages- und Fachpresse macht deutlich, dass sie auch diese berufständische Herausforderung hervorragend meistert. „Einsatz für und mit den Kollegen ist alle Mühen wert, das Innungsleben muss gestärkt werden. Sichtbare Erfolge fördern auch das persönliche Ego. Ich kann daher nur raten, sich zu engagieren und sich aktiv einzubringen“, ist Beate Diers überzeugt.

Im Rahmen ihrer Tage der offenen Tür zeigt die Bäckerei Wittbold bei vielen Aktionen zudem, dass Werbung „in eigener Sache“ vorbereitet, gesteuert und engagiert betrieben sein will. Und so klappt es auch mit der positiven Resonanz und einer steigenden Kundenzahl.


Artikel vom 20.12.2007
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