Prisma
Kunsthandwerk im Zeichen der Altstadt
30 Jahre Lebkuchenhaus-Wettbewerb für Azubis in Lübeck / Mädchen mögen das Holstentor

Sie gehören zu den besten Lebkuchenhausbäckern in Lübeck: Denise Fischer, Rene Kappenberg, Marek Koberg und Sascha Kruse. Gemeinsam mit Sascha Oeser und Martin Matschke (beide nicht auf dem Foto) erreichten sie die ersten sechs Plätze. In der Mitte d
Zur Motivation der jungen
Nachwuchskräfte
„Die ersten Lebkuchenhäuser waren Pfefferkuchenhäuser oder Hexenhäuser“, erzählt Gustav Poß. Damals war er Vorsitzender des Bäckerfachvereins Schleswig-Holstein, der eine enge Verbindung zur Gewerbeschule pflegte. Die Idee kam plötzlich. „Wir dachten, wir müssten etwas machen, was die jungen Leute motiviert“, erinnert sich Gustav Poß. Gemeinsam mit seinem zweiten Vorsitzenden, Peter Derlien, übernahm er fast 20 Jahre die Bewertung der Phantasiehäuser. Das war 1976, und Mädchen nahmen schon aus dem einen Grund nicht teil, weil es keine weiblichen Bäckerlehrlinge gab.
Das ist heute anders, und Mädchen arbeiten auch anders. „Sie sind sorgfältiger und arbeiten feiner. Und sie sind mutiger. An das Holstentor wagen sich eigentlich nur Mädchen“, sagt Edwin Sklanny vom Bäckerfachverein, der in der Fachjury sitzt. Das Holstentor ist stets außerhalb der Wertung, denn es ist richtig schwierig. „Das haben wir selbst erfahren, als wir ein Holstentor aus Brotteig für die iba gebacken haben“, sagt Edwin Sklanny. Die Proportionen von Turm, Dach und Giebelfassade richtig umzusetzen, macht die meisten Probleme.
Jetzt werden Originale
nachgebaut
In den 30 Jahren Lebkuchenhauswettbewerb hat sich viel getan. Aus den Phantasiehäusern wurden 1992 die ersten Altstadthäuser nach echtem Vorbild. Auf der Suche nach geeigneten Objekten unternahmen die Schüler einen Stadtrundgang. Dann zeichneten sie die Fassaden auf Lebkuchenhausgröße. Buken den Teig und klebten die Flächen mit Eiweiß zusammen. „Ich kann mich noch an die Tränen erinnern, wenn die Lebkuchenhäuser am nächsten Morgen zusammengefallen waren“, erinnert sich Gustav Poß. Sie waren eben nicht für die Ewigkeit gebaut. Erst vor zehn Jahren revolutionierte eine Erfindung den „Hausbau“ ganz entscheidend.
Die Erfindung war der Einsatz der Dekoplatte. Seitdem sind die Lebkuchenhäuser deutlich haltbarer geworden. Die Fassade wird auf die Dekoplatte übertragen und ausgeschnitten. Der Teig wird ausgerollt, mit Eiweiß bestrichen und auf die Dekoplatte gelegt. Die Kanten werden umgeschlagen und die vier Wände und zwei Dachhälften – mit Dekoplatte – gebacken. Die Fassade wird nun ausgarniert und die Fertighausteile werden mit Eiweiß verklebt. Drei bis vier Kilo Lebkuchenteig stecken in jedem Haus. Das sind bei 25 Lebkuchenhäusern schon gut und gerne zwei Zentner Teig. Dafür leiht sich die Schule Maschinen aus einer Lübecker Bäckerei aus. Nachdem die Lebkuchenhäuser von einer Fachjury begutachtet und bewertet wurden, ziehen diese Häuser bis kurz vor Weihnachten in ein nahes Textilhaus um. Dort werden sie vom Publikum beurteilt. „Und die haben oft einen ganz anderen Geschmack als die Fachjury“, erzählt Rudolf Kopel, Fachlehrer, der den Wettbewerb schon 25 Jahre begleitet. „Hauptsache bunt“ ist für das Publikum oft wichtiger als eine sorgfältige Ausführung. Farben haben aber auch auf die Schüler eine ganz besondere Faszination. „Wenn einer anfängt, mit rot eingefärbtem Marzipan zu arbeiten, dann können Sie davon ausgehen, dass die halbe Klasse es nachmacht“, lacht Edwin Sklanny. Marzipan ist im Lübecker Lebkuchenhausbau der beliebteste „Baustoff“ für Fensterrahmen und Türen. „Früher wurde mehr mit Eiweiß gearbeitet“, sagt Peter Derlien. „Heute habe ich zum ersten Mal Kuvertüre gesehen.“ Auch der Lebkuchenhausbau verändert sich stetig.
Am 18. Dezember wird Holger Rathjen, Obermeister der Innung Holstein, den Publikumspreis überreichen.
Die Gewinner des Lebkuchenhauswettbewerbes:
1. Marek Koberg, Königstr. 81/ Bäckerei Kühl, Bad Oldesloe
2. Rene Kappenberg, Glockengießerstr. 48 / Bäckerei Tiburg, Reinbek
3. Denise Fischer, Mengstr. 4 (Buddenbrookhaus) / Bäckerei Schmidt, Bad Oldesloe
4. Martin Matschke, Glockengießerstr. 45 / Bäckerei Schmidt, Bad Oldesloe
5. Sascha Oeser, An der Obertrave 8 / Bäckerei Horst, Lübeck-Kücknitz
6. Sascha Kruse, An der Obertrave 5/ Bäckerei Simon, Lübeck-Travemünde
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