Prisma

Kreative Wurzelskulpturen als Hobby

Gnomen, Elfen und allerlei Baumwurzeltiere haben es Bäckermeister Meyer angetan


Sehnde (li). Es ist schon eigenartig, was sich im Kopf bewegt, wenn Bäckermeister Georg Meyer durch die Natur schlendert. Ausgerodete Baumstuken, alte Zweige und verwittertes Holz, wo immer man es findet, haben es dem Bäckermeister angetan. „Wurzelphantasien“ nennt er die Skulpturen, die aus diesem Material entstehen.

1955 hat Georg Meyer bei Bäckermeister Lahmann gelernt und noch heute zeigt er stolz seinen Meisterbrief, auf dem alle Prüfungen mit der Note „sehr gut“ verzeichnet sind. Ganz klar, dass für ihn und seine Frau Anneliese die Selbständigkeit das Berufsziel war. Eine Bäckerei in der Breiten Straße in Sehnde war über Jahrzehnte der Lebensinhalt, bis die Gesundheit einen Strich durch die Rechnung machte.

„Berufsunfähig“ diagnostizierte damals der Arzt und dann ging alles schnell. Doch noch heute, viele Jahre danach, besucht der Meister a. D. die Versammlungen der Bäckerinnung Burgdorf. Informiert sich über neue Techniken und die Schicksale seiner Berufskollegen von einst. Seine Bäckerei hat er an den Kollegen Klöpper aus Ahlten verpachtet, wohnt aber weiterhin im Hinterhaus. Dort werkelt er. Sein Hobby ist das Gestalten von rohem Holz.

„Wurzelphantasien“ nennt er die zahlreichen Gebilde, die schon auf Ausstellungen in Hildesheim, Brüggen, Hornburg, Lehrte, Burgdorf und Langenhagen präsentiert worden und auf so manchem Handwerkermarkt zu bewundern sind. Daheim in seiner kleinen Werkstatt wird jedes brauchbare Stück Holz verwertet. Die Stuken werden per Hand in mühsamer Kleinarbeit entrindet und zu Skulpturen verarbeitet. Nur wenige Maschinen kommen als Hilfsgeräte zum Einsatz. Da sind, Elfen, Eulen, Drachen, Delphine – kurz alles, was die Phantasie so in dem Altholz entdeckt – zu sehen, so wie sie in der Natur gewachsen sind und aus dem rohen Holz herausgearbeitet wurden. Eine mühsame Arbeit, die künstlerisch wertvoll ist, aber auch dem Hobby-Holzbildhauer Erfüllung und Freude bringt.

Gern erinnert er sich an die Zeit zurück, als der Beruf sein Familienleben prägte und ausfüllte. „Wir waren der letzte selbstbackende Betrieb in Sehnde“, erklärt er wehmütig . „Heute ist meine Innung lange nicht mehr so aktiv und stark wie in den 50/60er Jahren bis 1990. Ich bedaure das. Habe selbst gut 20 Lehrlinge ausgebildet, Bäcker und Verkäuferinnen.“ Kontakte zu manchen Lehrlingen von damals gibt es ab und an noch, aber der Abstand vom Berufsleben ist größer geworden. Geblieben ist das Hobby und die Erinnerung an eine erfüllte, schöne Berufszeit, an die einige Urkunden und Auszeichnungen noch erinnern.


Artikel vom 17.08.2006
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