Prisma

Japaner lieben deutsche Backstuben

Handwerksprogramm der Internationalen Weiterbildung und Entwicklung GmbH


Köln (rgb). Den deutschen Politikern ist zwar der Meisterbrief nicht mehr viel wert, dafür schätzen ihn besonders Ausländer, die ihren Heimatstaaten keine duale Ausbildung kennen. Angehende japanische Handwerker, unter ihnen auch Bäcker, lassen sich zunehmend in Deutschland ausbilden. Ihr Gesellenbrief weist sie daheim als berufliche Fachkraft aus, und auch die deutschen Handwerkskammern sehen sie als Botschafter des deutschen Handwerks.

Kosaku Hidaka (24) lernt z.B. seit Jahresbeginn in Köln Deutsch, um einmal in Japan eine eigene Bäckerei zu eröffnen: „Das Brot in Deutschland schmeckt nach Natur.” Er gehört zu einer Gruppe von vier Japanerinnen und acht Japanern, die ein spezielles Handwerksprogramm der Internationalen Weiterbildung und Entwicklung GmbH (InWEnt) nach Deutschland gelockt hat. In Kooperation mit der Nippon Carl Duisberg Gesellschaft in Tokio bietet die InWEnt seit 1998 ein speziell auf Japaner zugeschnittenes Programm an.

Projektleiterin von InWEnt, Marie Busuttil-Schröter: „Zunächst nehmen die Japaner an einem sechsmonatigen Sprachkurs in Köln teil, danach werden sie in den Betrieben zu Bäckern, Konditoren, Tischlern oder Orthopädieschuhmachern ausgebildet. Die duale Ausbildung und die Gesellen- und Meisterausbildung in Deutschland sind in Japan unbekannt.“ Die japanische Ausbildung finde ausschließlich in den Betrieben statt, eine Berufsschule ist unbekannt. Das deutsche Angebot ist trotz der immensen Kosten von etwa 30.000 Euro, die die Japaner selber bezahlen müssen, so interessant, dass bereits rund 100 Japaner ihre deutsche Gesellenprüfung abgelegt haben. Weitere gut 100 beteiligten sich an einer einjährigen betrieblichen Fortbildung.

Zahlreiche Handwerkskammern wie etwa in Köln, Düsseldorf, Dortmund, München und Potsdam unterstützen das Programm. „Die Japaner nehmen Deutschen auch keine Ausbildungsplätze weg, da es sich um zusätzliche Plätze handelt, die speziell für die ausländischen Lehrlinge eingerichtet werden“, so die Projektleiterin von InWEnt. Aufgrund ihrer Vorbildung – abgeschlossene Berufsausbildung oder abgeschlossenes Studium – wurde die Ausbildungszeit der asiatischen Gäste auf 18 bis 24 Monate verkürzt.
Rainer Gutmann, Handwerkskammer Köln, sieht nicht nur die Mehrbelastung der deutschen Ausbildungsbetriebe: „Wer hier als junger Japaner seine Ausbildung absolviert, könnte später interessant werden für deutsche Unternehmen, die in Asien einen Kooperationspartner suchen.“ Ausgewählt werden die Betriebe von den Kammern. Diese wählen die Ausbildungsbetriebe aus und begleiten die ausländischen Azubis. Busuttil-Schröter: „Die Japaner sind hochmotiviert. Ihre Begeisterung ist auch für die deutschen Azubis ein Vorbild. Die Japaner orientieren sich bei ihrer Berufswahl am Markt, der nach neuen, in Japan bisher unbekannten Waren verlangt. Die Kunden sind sehr qualitätsbewusst.“

Kosaku Hidaka hat bereits in Japan als Bäcker gearbeitet. „Deutschland ist mein Traumland, nicht nur bei dem tollen Brot. Ich mag auch die Musik, die Landschaft, die Bauwerke, die Menschen – alles“. Seine „Kollegin“ Shinko Kiuchi ist zur Konditorenausbildung nach Deutschland gekommen. „Diesen speziellen Beruf gibt es so in Japan nicht“, sagt sie. „Außerdem ist das Leben und die Ausbildung in Deutschland nicht so teuer wie bei uns.“


Artikel vom 20.04.2006
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