Blickpunkte

Freiwillig bei der BGN versichern?

Seit mehreren Jahren fordern die Verbände strukturelle Änderungen bei der gesetzlichen Unfallversicherung, um den Kostenanteil bei den Sozialabgaben zu senken.


Mit der wichtigste Grund für eine Versicherung bei der BGN ist, dass wir alle geeigneten Mittel einzusetzen, um die Gesundheit der Betroffenen wieder herzustellen. Dazu verpflichtet uns schon der Gesetzgeber. Das bedeutet immer optimale Versorgung und unterscheidet uns in unserem Auftrag von Krankenkassen und Mitbewerbern, die immer auch die Interessen ihrer Aktionäre im Auge haben. Nicht umsonst gelten zum Beispiel die berufsgenossenschaftlichen Unfallkliniken landläufig als die besten Deutschlands. Die gesetzliche Unfallversicherung bietet außerdem nicht nur umfassenden Versicherungsschutz am Arbeitsplatz. Sie unterstützt auch bei der Prävention und bei der Umsetzung der gesetzlichen Vorschriften. Niemand kann das in diesem Bereich besser als wir.

Natürlich ist diese umfassende Vollkaskoversicherung nicht billig zu haben. Aber jeder muss selbst beurteilen, was ihm seine Gesundheit wert ist. Nicht umsonst haben wir den Forderungen der Unternehmer nach mehr Selbstbestimmung nachgegeben und ihre Versicherungspflicht abgeschafft. Einen Preis-Leistungsvergleich können wir jederzeit bestehen, denn der Leistungskatalog der gesetzlichen Unfallversicherungen wird so von keinem privaten Unfallversicherer angeboten. Das rentierte sich für die Privaten nicht. Das Risiko der Berufskrankheiten decken Privatversicherer gleich gar nicht ab, weil dort das Risiko nicht kalkulierbar ist.

Wir tragen garantiert alle Kosten der geeigneten Heilbehandlung und sämtlicher notwendiger Nachsorgemaßnahmen, alle Maßnahmen zur Existenzsicherung bei notwendiger beruflicher Umorientierung, Pkw- und Wohnungshilfe bei schwerer Behinderung zu 100 Prozent.

Die BGN sichert die durch Unfall oder Berufskrankheit entstehenden finanziellen Risiken mit Geldleistungen ab: zum Beispiel mit Verletztengeld ab dem 1. Tag der Arbeitsunfähigkeit – pro Kalendertag zwischen 53,33 Euro und 138,67 Euro. Weitere Geldleistungen sind beispielsweise Verletztenrente, Pflegegeld/Haushaltshilfe, Hinterbliebenenrenten und Sterbegeld.Bei der BGN bin ich nicht mehr versichert, denn die Pflichtmitgliedschaft habe ich gekündigt. Aber eine private Versicherung habe ich dafür auch nicht abgeschlossen. Der Hauptgrund dafür war, dass die BGN ihren Beitrag um 65 Prozent von 336 Euro auf 531 Euro/Jahr erhöht hat– ohne Änderung der Geschäftsgrundlage. Wenn ich mein Brot jetzt so entsprechend aufschlagen würde, dann möchte ich mal hören, was meine Kunden sagen würden. Es kann nicht sein, dass die Beiträge einfach erhöht werden „weil die Kosten gestiegen sind“. Da könnte ich umgekehrt auch sagen, ich habe 20 Jahre nichts gehabt und zahle einfach weniger Beitrag.

Ich bin seit 14 Jahren selbstständig, habe bis jetzt keinen Versicherungsfall gehabt und bemühe mich natürlich, dass dieser auch nicht eintritt. Ich bin jetzt 60 Jahre alt und will den Betrieb noch mindestens 10 Jahre führen. Atypisch ist bei mir, dass ich meinen Betrieb allein führe und keine Mitarbeiter habe.

Zum finanziellen Aspekt kommen aber auch noch andere negativen Erfahrungen. Es ging um eine Zahnbehandlung, die von der BGN in den 80er Jahren als Berufskrankheit anerkannt worden ist und damals auch bezahlt wurde. Jetzt mussten genau diese Kronen erneuert werden und da stellte sich die BGN taub. Ich müsste die Belege von damals vorlegen, um zu beweisen, dass die BGN das tatsächlich übernommen hat. Wie soll ich die Belege von damals auftreiben? Ich bin überzeugt, dass die BGN die Daten im Archiv hat, aber so um die Zahlung herumkommen will.

Eine bisher letzte Erfahrung mit der BGN habe ich kurz nach der Kündigung gemacht. Da wurde von der BGN eine Betriebsuntersuchung durch den TÜV angeordnet und da hatte ich den Eindruck, ich bin der einzige Bäcker, der hier untersucht wird. Außerdem werde ich das Gefühl nicht los, dass das eine Schikane wegen meiner Kündigung ist.

Grundsätzlich sollte die BGN die Beitragsaufteilung für die Bäcker transparenter machen, dann würden die Beiträge auch eher akzeptiert werden. (dk)


Artikel vom 20.08.2008
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