Blickpunkte
Erfolg mit Bio - ein steiniger Weg
Weder über die hohen Kosten, noch die Schwierigkeiten im Bio-Geschäft wird in der Fachpresse berichtetet
Zum Interview von Werner Kräling, Chefredakteur ABZ mit Achim Stock, Bio-Berater der Bäko-Zentrale Süddeutschland, erreichte uns folgender Leserbrief von Ernst Cnossen, Inhaber der Bäckerei „Bäckermeister Cnossen“ in Esslingen:
Anmerkung zum Interview „Bio erfordert handwerkliches Können und Engagement.“
„Wie beim Rattenfänger von Hameln sollen die Bäcker für den Biomarkt geködert werden, mit den Prognosen, sich ein gutes Stück vom wachsenden Umsatzkuchen abzuschneiden.
Ich bin seit 20 Jahren Bioland-Bäcker. Es war ein steiniger Weg, um ein gutes Sortiment an Bio-Backwaren am Markt zu etablieren. Bio-Kunden sind Kunden, die für ein hochwertiges Produkt einen hohen Preis bezahlen müssen. Sie sind dazu bereit, wenn auch ihre hohen Erwartungen erfüllt werden. Bio-Kunden erwarten dabei einen starken Partner wie beispielsweise Bioland, Demeter oder Naturland und die entsprechenden Zertifikate. Die Glaubwürdigkeit und das Vertrauen der Kunden sind sehr wichtige Voraussetzungen für den erfolgreichen Verkauf von Bio-Backwaren. Hinzu kommen regelmäßige Kontrollen, das tagtäglich erforderliche Backprotokoll und natürlich auch die Kosten für diesen bürokratischen Aufwand, den das Bio-Geschäft nun eben notwendigerweise erfordert. Allein eine Kontrolle kostet bei Bioland rund 700 Euro im Jahr.
Diese Kosten und diese zusätzliche Arbeit nebst Verwaltung werden in ihrem Artikel unter den Tisch gekehrt. Es ist einfach unseriös, Bäckereien für den Biomarkt zu ködern, ohne die ganze Wahrheit zu sagen. Es genügt nun einfach nicht, eben mal eine Fahne oder ein Plakat im Laden aufzuhängen und die Euros kommen dann schon wie von selbst.
Das Geschäft mit Bio-Backwaren ist kein einfacher Selbstläufer, sondern stellt in allen Bereichen höhere Anforderungen: In der Backstube bei der Verarbeitung, im Büro durch die zusätzliche Verwaltung und im Verkauf wegen der notwendigen Kompetenz der Verkäuferinnen.
Ich habe schon mehrere Briefe an verschiedene Fachzeitungen geschrieben. Doch Kritik können Sie alle offensichtlich nicht gebrauchen. Noch nie wurde ein Leserbrief von mir erwähnt oder veröffentlicht. Ich erwarte eine Antwort von Ihnen.“
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