Prisma
Erfahrener Fuchs hilft jungem Meister
Konrad Fuchs geht nach Brasilien, um seinen ehemaligen Lehrling zu unterstützen

Bäcker- und Konditormeister Konrad Fuchs (rechts) ist im Oktober nach Brasilien gereist, um dort seinen einstigen Lehrling Johannes Roos beim Ausbau seiner Bäckerei zu unterstützen. Foto: Dreilich
Den Deutschbrasilianer Johannes Roos zieht es mit schöner Regelmäßigkeit nach Franken. Besonders herzlich wird der 32-Jährige im Altdorfer Backhaus Fuchs empfangen, denn hier erlernte er seinen Beruf. Bäcker zu sein, das ist für Johannes Roos nicht nur Broterwerb, sondern Lebensauffassung. „Als Bäcker kann ich kreativ sein, genau das ist es, was mir bei meiner Arbeit den meisten Spaß macht“, sagt er.
Vor zehn Jahren siedelte Johannes Roos nach Brasilien über. Sesshaft geworden ist der Auswanderer in Divinopolis, einem Ort nahe Bella Horizonte (nördlich Rio de Janeiro). Dort betreibt er seine Bäckerei, hat ein Buch über das Backen geschrieben und gibt im regionalen Fernsehen im Rahmen einer TV-Sendung Tipps in punkto Brot, Brötchen und Kuchen.
„Die Unterschiede zwischen Deutschland und Brasilien sind schon gravierend“, hat Johannes Roos festgestellt. So sei Roggen in Brasilien kaum bekannt. „Ein Großteil der europäischen Produkte fehlt hier völlig.“ Allerdings seien Öko- und Vollkornprodukte seit einiger Zeit auf dem Vormarsch.
Probleme bereitet dem jungen Existenzgründer die desolate Energieversorgung in Brasilien. Strom ist knapp und teuer, außerdem wird er oft ohne Vorwarnung abgeschaltet. Doch damit nicht genug: Verbraucht ein Unternehmen mehr als die ihm zugebilligte Energiemenge, sind Strafzahlungen zu leisten. „Aus diesen Gründen sind elektrische Backöfen kaum einsetzbar.“
Besonders nachteilig sei die restriktive brasilianische Importpolitik, ergänzt Konrad Fuchs. „Ich möchte meinem jungen Kollegen hier nicht mehr benötigte Maschinen zukommen lassen, darf das aber nicht.“ Existieren auch nur entfernt vergleichbare Produkte aus brasilianischer Fertigung, dürfen diese Maschinen nicht importiert werden. „Da spielt es keine Rolle, dass ich ihm die Sachen ja schenken will.“
Um seinem früheren Lehrling dennoch unter die Arme greifen zu können, macht sich Konrad Fuchs in der zweiten Oktoberhälfte auf den Weg von Altdorf nach Brasilien. Für einige Wochen wird er seinen Erfahrungsschatz dem jungen Kollegen zur Verfügung stellen. „Erfahrungen darf man unbegrenzt nach Brasilien mitbringen“, erklärt Konrad Fuchs schmunzelnd.
Weitere Nachrichten aus Blickpunkte vom 23.11.2006:
Schwanzwedeln und Kopfschütteln

RSS

Zur Bildergalerie "Backkongress 2011"