Blickpunkte
Einspruch Euer Ehren! Nicht nach Gewicht
Brot und Brötchen nach Gewicht verkaufen: Die Personalkosten würden im zweistelligen Bereich nach oben schießen
Von Torsten Hacke Liebe sogenannte Betriebsberater, Backberater, Professoren und Doktoren der Backbranche und Möchtegern-Bäckereiunternehmer – was sollen unsere weiblichen und männlichen Verkäufer hinter der Theke noch alles machen?
Unsere Spezis hinter der Ladentheke sollen freundlich bedienen, beraten, verkaufen und nebenbei den Ladenbackofen bedienen. Ach ja, die Warenpräsentation muss auch noch im 30-Minutentakt gemacht werden. Dann wird noch ein Latte Macchiato und ein Cappuccino gezaubert, nebenbei noch nach Kundenwunsch belegte Brötchen zubereitet und auch das frische Brot noch geschnitten. Zwischendurch werden noch die Hygienepläne eingehalten, das Tortenmesser gereinigt, das Brotregal neu bestückt.
Und jetzt kommen ein paar Betriebsblinde und fordern Freiheit für das Stückgewicht!
An all diese Berater, ich lade Sie hiermit herzlich in unsere Verkaufsräume ein, dann können Sie sich mal richtig mit so einer Kassierwaage austoben. Oder haben Sie schon mal im Laden verkauft? Ich meine jetzt so einen Laden wo der Punk abgeht und nicht nur wo pro Stunde drei Kunden im Laden stehen. Dann bitte auch die Kunden bedienen, bei denen 10 verschiedene Sorten Brötchen nach Gewicht verkauft werden müssen – und die Schlange wird dabei immer länger.
Auf einem Flughafen mal ein paar Brötchen nach Gewicht zu verkaufen ist kein Problem, wohl aber wo sich Kunden in Bäckereiläden tummeln und nicht nur morgens zu Stoßzeiten.
Okay, bei mehr Personaleinsatz wird auch das gemeistert, aber hinterher hat man kein Geld verdient, weil die Personalkosten im Verkauf um 15 Prozent gestiegen sind.
Dann bleibt nämlich kein Geld für Betriebsberater, Backberater usw. über. Die können wir Bäcker uns in Zukunft nicht mehr leisten.
Und wie wollen Sie das mit dem Controlling machen? Die Brötchen vor dem Ausliefern in die Filiale wiegen? Wie soll der Lieferschein berechnet werden, wie der Backzettel für die Produktion ausgedruckt werden? Wie werden die Retouren berechnet oder dann wieder wiegen und jede Sorte einzeln auf die Waage? Oder dann doch nur Stück für Stück zählen und in die Retourenliste eintragen? Liebe Herren Berater, ihr seid weit weg von der Praxis, eben nur Theoretiker!
Mit besten Grüßen,
Ihr Bäckermeister Torsten Hacke
Weitere Nachrichten aus Blickpunkte vom 02.09.2009:
Unnötige Gesetze konsequent vermeiden


RSS

Zur Bildergalerie "Backkongress 2011"