Blickpunkte

Egon und die Steuerberatung


Nun ist der Egon schon seit über 20 Jahren bei Steuerberater Müller – zufrieden und mit dem Finanzamt hat es noch keinen Ärger gegeben; jetzt aber hat ihn der Huber aufgeschreckt: „Du glaubst ja gar nicht, was mein neuer Steuerberater alles für mich tut und wo er überall Geld für mich rausholt“, prahlt der Huber. Jeder in der Innung macht gleich drei Abstriche, wenn der Huber über seinen neuesten Clou mit einem Ladenbauer oder die Mehrumsätze mit einer Aktion prahlt. Aber dieses Mal schien dem Egon mehr als ein Fünkchen Wahrheit in dem berühmt berüchtigten Redeschwall des Kollegen zu liegen.

Tags drauf hat der Egon eh einen Termin beim Müller und bei Margot (die bekanntlich beste Meisterfrau von allen), auf das Thema angesprochen, rennt er natürlich offene Türen ein: „Du gehst doch eh immer zu ihm, als wärst du ein Bittsteller – so wie bei der Bank wenn's um einen Kredit geht“, stachelt sie ihn noch auf. Derart instruiert, fällt der Egon gleich mit der Klinke ins Haus und regelrecht über den Müller her: „Seit Jahren kriegst nun du 800 Euro von mir im Monat, aber einen Finanzplan, eine Liquiditätsplanung oder echte Steuerspartipps – alles Fehlanzeige! Für die einfache Buchführung muss ich weniger Geld ausgeben.“

„Wir können doch über alles reden“, faselte der Müller und als er dann auch noch etwas von „hätte ich das gewusst und keine Zeit“ stammelte, wusste der Egon nicht, über was er mehr erschrocken war: Über sich und seinen Auftritt – oder den Müller, der zwei Pillen einwarf und noch immer vor sich hinredete: wie ein verstaubter Buchhalter.


Artikel vom 28.10.2009
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