Blickpunkte

Egon und die Detektive


Egon liest Zeitung. Nur jeder fünfte ist ehrlich steht in der Bäckerzeitung, das macht den Egon stutzig. Immerhin hat er insgesamt 12 Angestellte, mindestens einer ist also nicht ehrlich. Gutgläubig gedacht und schlecht gerechnet. Margot, kannst Du Dir vorstellen, dass einer unserer Mitarbeiter bei uns klaut?“, fragt er die beste Meisterfrau von allen. Die winkt ab: „Mitarbeiterdiebstahl kommt doch nur in großen Betrieben vor, wo den Chef keiner mehr persönlich kennt. Das ist bei dir doch was ganz anderes.“ In der Zeitung steht aber was ganz anderes: „Wer sagt, bei ihm wird nicht geklaut, hat es nur noch nicht gemerkt“, zitiert der Egon. „Wenn Du das denkst und allen misstraust, ist unser gutes Betriebsklima schnell dahin“, gibt die beste Meisterfrau von allen zu bedenken. „Ach was entgegnet Egon, ich kaufe jetzt so eine Videokamera, die Ehrlichen haben doch nichts zu befürchten.“

Gesagt getan – aber als nach einem Jahr noch immer kein Beweis vorlag, ärgerte sich der Egon schon über das rausgeworfene Geld. Und Margot hatte ihm sogar Schlecker- und Lidl-Methoden vorgeworfen, was ihm ganz und gar nicht schmeckte. Schließlich hatte er mit allen Mitarbeitern darüber gesprochen und sich ja fast schon entschuldigt für die rein „präventive Maßnahme“ – wenn mal jemand Neues eingestellt wird, den man nicht kennt. Dass der Umsatz aber um zwei Prozent gestiegen war, ohne Preiserhöhung, etwa gleichen Retouren und bei konstanten Stückzahlen – das behielt der Egon für sich.


Artikel vom 11.02.2009
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