Blickpunkte

Egon spart


Neulich auf der Innungsversammlung: Der Huber schimpft über hohe Mehlpreise: „Jetzt sind die Getreidepreise gesunken, aber wenn ich sehe, wie viel mehr wir kleinen Bäcker bezahlen müssen als ein Großbäcker, krieg ich die Wut.“ „Und die Backmischungen für Spezialbrötchen kosten sowieso genug, da kann man nicht sparen“, ergänzt der Meyer.

Der Egon mischt sich nicht ein, mischt aber schon seit einiger Zeit immer etwas weniger von der Backmischung in den Hauptteig. Jede Woche einmal werden die Fünfkornbrötchen mit einem 30Prozenter gemacht, und jede Woche nimmt der Egon 2 Prozent weniger als auf dem Sack empfohlen. „So merken das die Kunden nicht und bei 20 Prozent mache ich Schluss und spar einen Batzen Geld“, murmelt er freudig vor sich hin. Vier Wochen hat er seinen Sparkurs schon unentdeckt überstanden, nur Geselle Günther hatte einmal gefragt, warum das Volumen letzte Zeit etwas größer werde. Dem hat der Egon dann einfach eine höhere Teigeinwaage verklickert. Aber dann die böse Überraschung. „Egon“, ruft die Margot schrill, noch gar nicht in der Backstube angekommen. Egon kennt den Ton – eine Reklamation: „Der Lehrer Schmidt hat die Fünfkornbrötchen zurückgebracht, da sind nur 4 Prozent Körner drin. Er hat sie in seinem Home-Labor in den Osterferien genau untersucht und mit irgend so einer Labormaschine in alle Einzelteile zerlegt.“ „Verdammte Lehrer“, grummelt der Egon, „die sind noch schlimmer als Politiker.“


Artikel vom 24.03.2010
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