Kuratorin Dr. Marianne Honold (l.) und Museumsleiter Dr. Andrea Fadani zwischen der umfangreichen Tütensammlung.
Der Verkaufsladen im Wandel der Zeit
Ausstellung zu Brot-Verkauf, Werbung und Verpackung im Museum der Brotkultur
Ulm (mde). Bis Ende Oktober 2006 wird das Ulmer „Museum der Brotkultur“ in der Ausstellung „Täglich frisch“ den Wandel in den Themenbereichen Brot-Verkauf, Werbung und Verpackung zeigen. Museumsleiter Dr. Andrea Fadani und Ausstellungskuratorin Dr. Marianne Honold erläuterten bei der Vernissage in einem Ausstellungsrundgang die höchst interessanten und spannend dokumentierten Ausstellungsstücke.
Sie erinnerten daran, dass heute beim täglichen Einkaufsgang in die Bäckerei niemand mehr daran denkt, dass sich das Ladenlokal als Hauptverkaufsort von frischen Backwaren erst mit der Industrialisierung und Urbanisierung in der uns vertrauten Form entwickelt und durchgesetzt hat. Die Ausstellung thematisiert diesen Wandel in der Brotversorgung bis in die Gegenwart und beleuchtet seine wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Voraussetzungen. Sie zeigt, dass beispielsweise das an die Backstube angrenzende Verkaufsgeschäft lange Zeit neben den öffentlichen Verkaufsstellen eine untergeordnete Rolle spielte. Sie setzte sich erst in den wachsenden Städten und dann im ländlichen Bereich durch.
Gleichzeitig löste die Fertigung in Großbetrieben eine Entwicklung aus, die den Verkaufsort allmählich wieder vom Herstellungsort abtrennte, jedoch nun als Filialen eines Unternehmens. Die Frische und Güte der eigenen Ware ist bis heute das stärkste Verkaufsargument der Bäcker. Wie die Ausstellung zeigt, nutzten sie noch bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts außer den appetitlichen Auslagen im Schaufenster kaum die modernen Werbemittel, welche die Industrie für ihre Produkte entwickelt hat. Die wenigen Anzeigen, Broschüren und Plakate des Handwerks stehen einer Fülle von Werbeträgern gegenüber, mit denen für industrielle Artikel gewoben wird.
Tüten und Beutel im Blick
Weitere gezeigte Werbeträger, zugleich deutliche Kennzeichnung und hygienische Schutzhülle, sind die Verpackungen für industriell gefertigtes Dauerbrot und Feingebäck. In den Bäckereien wird die Ware hingegen erst beim Verkauf in Einschlagpapier oder Tüten verpackt. Doch auch das ist erst seit Ende des 19. Jahrhunderts üblich. Zuvor war die Herstellung und Verarbeitung von Papier zu teuer, um daraus große Mengen Tüten zu fertigen. In diesem alltags- und gebrauchsgeschichtlichen Zusammenhang ist in der Ausstellung eine Sammlung von Brottüten zu betrachten, die zum Bestand des Museums der Brotkultur gehört, etwa bis in die 80-er Jahre des 20. Jahrhunderts zurückreicht und hauptsächlich aus Deutschland stammt. Eine Installation dieser Brottüten, die einem im Alltag meist nur gefüllt oder zerknüllt begegnen, soll einen ungewohnten Blick auf diesen Gebrauchsgegenstand und seine vielfältigen graphischen Ausdrucksformen bieten.
Begleitend zur Ausstellung wird es Vorträge und Aktionen geben. Die Themen: „Bäckermeistersfrauen und Ladentöchter – zur Professionalisierung des Verkaufs“; „Die Marke: Vom Brandzeichen zum Logo – Wie aus Produkten Marken wurden“; „Von der Auslage in das Kundendisplay – Kleine Geschichte des Brotverkaufs“. Auch eine Führung für Kinder zum Thema „Kleb dir eine... – Kleine Geschichten der Brötchentüte“ und ein Wettbewerb für Kinder mit dem Titel „Täglich frisch – Gestaltung einer Brottüte“ gehören zum Rahmenprogramm der Ausstellung.
Bis zum 17. September 2006 können bemalte, beklebte oder beliebig gestaltete Brottüten im Museum abgegeben werden. Die schönsten Stücke werden prämiert und im Museum ausgestellt.
Weitere Informationen:
Tel.: (0731) 69955
www.brotmuseum-ulm.de
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