Prisma

Am schimmlig Brot isch niemand gstorbe

Ausstellung „Seelen, Brezeln, Hungerbrote“ im Ulmer Museum der Brotkultur


Ulm (mde). „Frieger het mer viel schimmlig Brot ghoe, vielmal gell. Wie nachdem wies Mehl gsi isch. Aber s´isch niemand gstorbe drae“, berichten in der Ausstellung „Seelen, Brezeln, Hungerbrote“ zwei um das Jahr 1800 lebende Bäuerinnen aus dem Schwarzwald. Dieser Satz unterstreicht einen der zwei Aspekte der Ausstellung, die sich mit „Brotlosen Zeiten und Hungersnöten“ und mit der Kulturgeschichte der Backwaren in unserer Region beschäftigt. Die Ausstellung macht deutlich, dass das „Tägliche Brot“, das bis heute unseren Alltag begleitet, in früheren Zeiten oftmals so knapp war, dass dies zu bitterer Not und sozialen Unruhen in der Bevölkerung führte.

Die Versorgungsengpässe um das Jahr 1800 lassen erahnen, warum zum Beispiel allein in den ersten vier Monaten des Jahres 1817 rund 18.000 Menschen, fast ein Fünftel der Bevölkerung Badens, nach Amerika oder nach Russland auswanderten. 1847 kam es in Stuttgart und Ulm zu „Brotkrawallen“. Die soziale Not hatte die Obrigkeit wie die württembergische Königin Katharina bereits nach der Hungerkatastrophe von 1816 nicht unberührt gelassen. Sie organisierte die Einrichtung von Suppenküchen und Speiseanstalten, um die schlimmste Not durch eine tägliche „Speisung“ zu mildern.

Neben den sozialen Aspekten zeigt die Ausstellung auch andere Facetten, so die damit zusammenhängende Entwicklung der regionalen Backwaren, die eng mit den guten oder schlechten Ernteergebnissen zusammenhing. Während auf dem Land in gemeinschaftlich genutzten Backhäusern das „Landbrot“ in seinen verschiedenen Ausformungen und Mehlzusammensetzungen gebacken wurde, stellten die Bäcker, die auch in Sachen Brot viel auf ihre Selbständigkeit hielten, in den Freien Reichsstädten eigenständige Kleinbrote wie Aalener Prügel, Biberacher Knauzenwecken, Ulmer Wasserwecken, Ravensburger Seelen, Reutlinger Kimmicher oder das Ulmer Brot her. Die manches Mal alltäglichen und typischen, gelegentlich auch bemerkenswerten und oftmals nachdenklich stimmenden Objekte und Bilder, welche die Spannweite der Ausstellung dokumentieren, ermöglichen einen lebendigen Zugang zur Brot-Geschichte. Die Ausstellung „Seelen, Brezeln, Hungerbrote“ ist im Ulmer Museum für Brotkultur bis zum 4. 11. 2007 zu sehen. Öffnungszeiten: Täglich 10 bis 17 Uhr. Mittwoch 10 bis 20.30 Uhr.


Artikel vom 24.05.2007
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