Prisma

„Paula Print“ besucht „Bäcker Paule“

Vorschulkindern „erleben“ im Museum der Brotkultur den Weg vom Korn zum Brot


Neu-Ulm/Ulm (mde). „Da haben es aber Enten schöner“, dachte sich unsere Zeitungsente Paula Print, als „Bäcker Paule“ im Ulmer Brotmuseum den Kindern des Kindergartens Schaffnerstraße erzählte, dass sein Tagwerk in der Früh um 3 Uhr beginnt. „Können Bäcker nie ausschlafen?“, fragte auch die sechsjährige Lena erstaunt. „Früher war das so, heute können sie etwas länger schlafen, weil sie den Backofen nicht mehr mit Holz und Kohle anheizen müssen, trotzdem sind Bäcker schon lange wach, bevor euer Kindergarten öffnet“, erzählte der Museumsbäcker.

Beim Rundgang durch das Brotmuseum zeigte Bäcker Paule mit Museumspuppenspielerin Gudrun Graichen den Kindern, Paula und den Erzieherinnen Susanne Bosch und Iris Brauchle quasi spielerisch den langen Weg vom Korn zum Brot. Bäcker Paule hatte alte Gerätschaften und sogar ein „Brothorn“ mitgebracht, um seinen Besuchern zu zeigen, wie mühsam es früher war, bis das tägliche Brot auf dem Tisch lag. „Schlag drauf, hau na - Schlag drauf, hau na“, hieß es , wenn nach der Ernte die Dreschflegel rhythmisch auf die Ähren niedersausten um so das Korn von der Spreu zu trennen. Auch Paula und Anton durften zusammen dreschen und kamen dabei ganz schön ins Schwitzen. Dabei waren ihre Dreschflegel nur Miniausgaben der großen, schweren Schlegel, mit denen Knechte und Mägde früher in der Erntezeit stundenlang auf die Ähren „eindroschen“.

Nach dem Dreschen, das heute mit riesigen Erntemaschinen gemacht wird, kommt das Mahlen des Korns zu Mehl. „Auch das war in ganz früheren Zeiten, als es noch keine Mühlen gab, eine Heidenarbeit. Das Getreide wurde auf eine Steinplatte gelegt und mit dem Reibestein zermahlen. Diese Arbeit haben meist die Frauen gemacht. Um Mehl für das Brot zu mahlen, das für vier Personen einen Tag reichte, musste eine Frau einen ganzen Tag Korn auf dem Reibestein mahlen“, erzählte Bäcker Paule und als Paula und die Kinder ein wenig ungläubig dreinschauten, durften sie es selbst ausprobieren. Schon nach einigen Minuten waren alle „ganz kaputt“.

Nach dem Mahlen kam das Mehl in den großen Backtrog und wurde nach einer bestimmten Rezeptur zusammen mit Wasser, Salz, Sauerteig oder Hefe solange geknetet, bis daraus endlich der weiche Teig für Brot, Brezeln, Semmeln und andere Köstlichkeiten entstand, die natürlich zuvor geformt, geschlungen oder geflochten werden mussten. Erst dann konnten die Teiglinge mit langen, hölzernen „Schißern“ in den Backofen geschoben und gebacken werden. „Daran hat sich nichts geändert.

Zum Abschied blies Bäcker Paule das uralte Brothorn. Wenn es erklang wussten die Menschen im Mittelalter, dass das Brot fertig ist. Paula und die Kinder hätten „nie gedacht“, dass so viele Menschen für eine Scheibe Brot arbeiten müssen.


Artikel vom 19.07.2007
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